Die Grenzen planetarer Grenzen

Planetare Grenzen sind eines der einflussreichsten Konzepte im heutigen Nachhaltigkeitsdiskurs. Die zwei Hauptpublikationen des Autor*innen-Teams um Johann Rockström und Will Steffen (Rockström et al 2009; Steffen et al 2015) wurden über 3,5 bzw. über 4 Tausend mal zitiert. Planetare Grenzen waren die konzeptionelle Grundlage des 2011er WBGU-Gutachtens Welt im Wandel und wurden durch Kate Raworths Donut-Ökonomie zusätzlich popularisiert. Doch wie so häufig mit so populären Ideen sind auch die planetaren Grenzen kritisch zu beäugen.

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Bio ist nicht die Lösung – aber kurzfristig die richtige Wahl

Die Bio-Landwirtschaft pflegt das Image der Weltretterin. Wer tut das nicht? Und es ist auch tatsächlich viel dran – lange Fruchtfolgen, halbwegs geschlossenen Kreisläufe, Strukturelemente und viele andere Komponenten der Bio-Landwirtschaft sind wichtige Ingredienzien einer nachhaltigen Landwirtschaft der Zukunft. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Bio-Landwirtschaft ist wertvoll als Nische – aber nicht flächendeckend und langfristig. Und trotzdem: kurzfristig ist sie tendenziell die richtige Wahl, wenn man an nachhaltig produzierten Lebensmitteln interessiert ist.

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Umweltsteuern, Arche Noah und das trostlose Theorem

Am 27. August 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren der Harvard-Ökonom Martin Weitzman, eine der interessanteren Gestalten der „Mainstream“-Ökonomik. Er war schon länger auf meiner und vieler anderer Wunschliste für den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften, insbesondere für seine Beiträge zur Umweltökonomik. 2011 wurde er immerhin mit dem Leontief-Preis ausgezeichnet (zusammen mit Nicholas Stern). Da ich Weitzman in meiner Auseinandersetzung mit der Ökonomik immer wieder begegnete, möchte ich hiermit ein paar seiner besonders interessanten Beiträge kurz würdigen.

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Elsevier und die Notwendigkeit kollektiver Lösungen

Aufgrund der vorerst gescheiterten Verhandlungen des DEAL-Verbundes deutscher Forschungsorganisationen mit dem niederländischen Verlagsgiganten Elsevier hat man als Forscherin in Deutschland derzeit keinen Zugang zu Elsevier-Inhalten, die 2018 und 2019 veröffentlicht wurden. Man kommt zwar weiterhin über Fernleihe, Repositorien sowie weniger legale Alternativen an die gewünschten Publikationen heran. Doch der Konsens in der Wissenschafts-Community ist, dass Elsevier ein Problem ist – als Ausdruck der Unterstützung der Open-Science-Ziele sowie als Druckmittel gegen Elsevier entscheiden sich daher viele für zahlreiche Formen des Boykotts. Dabei stößt man als Einzelner jedoch auf Grenzen, wie ich gerade.

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GAP-Direktzahlungen, Honorierung von öffentlichen Gütern und Einkommensunsicherheit

Auch wenn es nicht so aussieht, als ob die aktuell geplante Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU substantielle Änderungen mit sich bringen würde, werden mit immer lauteren Stimmen die Meinung kundgetan (1, 2, 3, 4), dass die GAP in ihrer Grundstruktur überholt ist. Insbesondere wird die Sinnhaftigkeit und Legitimität des Kerns der GAP, der flächenbezogenen Direktzahlungen an landwirtschaftliche Betriebe, hinterfragt und eine deutliche Schwerpunktverschiebung hin zur Honorierung von öffentlichen (Umwelt-)Gütern gefordert. Bis hin zu einer Abschaffung der Direktzahlungen. Doch so attraktiv diese Idee erscheinen mag, birgt sie Gefahren. Eine davon betrifft die inhärente Variabilität von Erträgen und, damit einhergehend, Einkommen landwirtschaftlicher Betriebe.

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Agrarumweltzahlungen: ein Instrument für eine nachhaltige Landwirtschaft

Die Europäische Kommission ist gerade dabei, sich zu überlegen, wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2020 aussehen soll. Im Hinblick auf die Vereinbarung landwirtschaftlicher Produktion mit der Bewahrung intakter Ökosysteme waren Agrarumweltprogramme (sog. Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen) bisher das Mittel der Wahl – und bisherige Vorschläge der Kommission betonen, dass dies so bleiben soll. Vorliegende wissenschaftliche Evidenz zeigt auch, dass dies an sich eine gute Idee ist – um wirklich effektiv und effizient zu sein, müssten Agrarumweltprogramme allerdings in einiger Hinsicht überdacht und verbessert werden. Die Möglichkeiten dazu sind zahlreich.

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Eine Kritik globaler Politikanalysen

Es ist manchmal erstaunlich, was man als gestandene Wissenschaftlerin alles publiziert bekommt, und dazu noch in renommierten Zeitschriften. Ein Beispiel: ich bin mir sicher, wenn ich und ein paar meiner No-Name-Kolleg*innen Policy design for the Anthropocene geschrieben und bei Nature Sustainability eingereicht hätten, wäre das Manuskript nach kurzem Prozess abgelehnt worden.1 Vor allem zeigt dieses Paper aber sehr eindrucksvoll, warum Politikanalysen auf globaler Ebene (meist) keinen großen Sinn machen.

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