Verbote oder Anreize?

In den politischen Debatten um Nachhaltigkeit (Klimaschutz, Artenschutz…) in Deutschland wird der Partei, die seit ihrer Gründung mit diesem Themenkomplex assoziiert wird, den Grünen, öfters vorgeworfen, sie seien eine „Verbotspartei“. Auch wenn dies in Einzelfällen überzogene Rhetorik sein mag, ist es doch augenscheinlich, dass in den besagten Debatten häufig argumentiert wird, als wären Verbote bzw. das Ordnungsrecht das einzige probate Mittel der Umweltpolitik. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, Anreize dem Ordnungsrecht vorzuziehen oder zumindest ergänzend zu nutzen.

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Nachhaltiger Konsum: Exit oder Voice?

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit umfassender Änderungen in Konsummustern bedarf. Eine entscheidende Frage dabei: wie sollte man diese Änderungen herbeiführen? Zwei Optionen stehen grundsätzlich zur Debatte, die oft in scharfen entweder–oder-Kategorien diskutiert werden – individuelle Konsumentscheidungen sowie Veränderungen in den Rahmenbedingungen (Verbote, Anreize etc.). Viele Konsument:innen gehen bereits den Weg der individuellen Konsumentscheidungen und versuchen, auf problematische Produkte zu verzichten oder sie durch nachhaltigere Alternativen zu ersetzen. Damit geht oft die Aufforderung an die Umgebung einher, es ihnen gleichzutun. Doch ist das eine zielführende Strategie?

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Warum ich mich hinsichtlich globaler Studien geirrt habe (teilweise)

Ich hatte schon immer eine recht tief sitzende Skepsis gegenüber globalen Betrachtungen im Bereich der Umweltforschung – sei es das sehr einflussreiche Konzept planetarer Grenzen, globale Analysen von Umweltpolitik, ähnlich groß angelegte Modellierungsstudien oder Costanzas berühmte (und unsinnige) „ökonomische“ Bewertungsstudie der Biosphäre. Stattdessen plädierte ich immer für die weniger größenwahnsinnigen, weniger Nature- oder Science-trächtigen, dafür deutlich detailreicheren und weniger mit problematischen Annahmen behafteten, kontextspezifischen lokalen und regionalen Betrachtungen. Diese machen auch den Großteil meiner eigenen Forschung aus. Und doch komme ich zunehmend zu dem Schluss, dass globale Betrachtungen keineswegs verzichtbar sind – ganz im Gegenteil, all ihren Problematiken zum Trotz sind sie zwingend notwendig. In einer global vernetzten Welt kommt man nicht um sie umhin – allerdings muss klar sein, was sie leisten können und was hingegen kleinerskaligen Studien überlassen werden sollte.

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Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine Substitute

In den Debatten nach den verheerenden Hochwasserereignissen in diesem Juli stieß man gelegentlich auf das (teils implizite) Argument, dass die Betonung der notwendigen Anpassung an den Klimawandel den Klimaschutz als politisches Ziel unterminieren könnte. Das ist politisch-praktisch möglicherweise nicht ganz falsch, doch eigentlich ist die mit diesem Argument implizierte Substituierbarkeit zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung ein gefährlicher Fehlschluss. Man kann weder Klimaschutz durch Klimaanpassung ersetzen, noch andersherum, jedenfalls nicht in nennenswertem Maße.

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Klimaschutz, der Umweltökonomik Traum

Der Klimawandel ist zweifellos eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen heute. Nichtsdestotrotz ist er mitnichten die einzige, nicht unbedingt sogar die größte, selbst wenn man sich auf Umweltherausforderungen beschränkt. Daher mag verwundern, warum die Umweltökonomik gerade dieser speziellen Herausforderung so viel Aufmerksamkeit schenkt, verglichen beispielsweise mit dem Biodiversitätsschutz (so jedenfalls meine Wahrnehmung). Der Grund, so scheint es mir, liegt darin, dass der Klimawandel ein Problem ist, das sich extrem gut in mainstream-ökonomischen Kategorien ausdrücken lässt – während das auf Biodiversität kaum zutrifft.

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Sind wir alle viel zu satt?

An eine Wand auf meinem üblichen Weg zur Arbeit hat jemand den Spruch „Ihr seid alle viel zu satt!“ gesprayt. So plakativ diese Formulierung sein mag, trifft sie meines Erachtens den Kern unserer kollektiven Unfähigkeit, auf so vielen Feldern „das Richtige“ zu tun – sei es im Umgang mit Menschenrechtsverletzungen an den eigenen Grenzen (sog. „Flüchtlingskrise“) oder außerhalb ihrer, gegenüber unseren „außenpolitischen Partnern“ wie die Türkei oder Saudi-Arabien oder Israel oder Russland oder China; sei es im Umgang mit der Pandemie, mit der Klima- und sonstigen Umweltkrisen. Wir weigern uns, zu akzeptieren, dass die Lösung dieser Probleme schmerzhaft sein wird. Dass wir vorübergehend (im Falle der Pandemie) oder auch dauerhaft (im Falle des Klimawandels) unsere Art zu leben, zu wirtschaften ändern müssen, um das Problem zu lösen. Dass Rhetorik, Appelle, Noten oder das Hoffen auf einen mehr oder weniger bestimmten Deus ex machina (in der Regel: Technologie) nicht wirken oder zumindest nicht ausreichend sind. Mit anderen Worten: dass die Problemlösung verlangt, dass wir kollektiv die Zähne zusammenbeißen und den Hintern zusammenkneifen – denn hinausschieben notwendiger tiefgreifender Änderungen wird das Problem nur schlimmer und die später unvermeidlichen Anpassungen noch schmerzhafter machen.

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Umweltsteuern, Arche Noah und das trostlose Theorem

Am 27. August 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren der Harvard-Ökonom Martin Weitzman, eine der interessanteren Gestalten der „Mainstream“-Ökonomik. Er war schon länger auf meiner und vieler anderer Wunschliste für den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften, insbesondere für seine Beiträge zur Umweltökonomik. 2011 wurde er immerhin mit dem Leontief-Preis ausgezeichnet (zusammen mit Nicholas Stern). Da ich Weitzman in meiner Auseinandersetzung mit der Ökonomik immer wieder begegnete, möchte ich hiermit ein paar seiner besonders interessanten Beiträge kurz würdigen.

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Klimaschutz und die Verteilung steigender Energiekosten

Eine häufige Kritik an politischen Klimaschutzmaßnahmen, in Deutschland insbesondere am Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG), betrifft die Ungleichverteilung ihrer Kosten. Da ärmere Haushalte üblicherweise einen höheren Anteil ihres Einkommens für Strom und Heizung ausgeben, werden sie disproportional von Erhöhungen der Energiepreise getroffen, die von EEG oder dem EU-Emissionshandelssystem ausgehen. Doch obgleich die Aufmerksamkeit für die sozialen Auswirkungen der Energiewende löblich ist, wird der Fokus dabei üblicherweise ausschließlich auf die Kostenseite gelegt – die spiegelbildliche Ungleichverteilung der Nutzen wird dabei übersehen.Weiterlesen »