[Progressive Agrarwende] Agrarumweltpolitik in heterogenen Landschaften: die Kunst der Abwägung

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Landwirtschaft enorme Produktivitätsfortschritte erzielt, sodass Ernährungssicherheit, der alte Hauptfokus der europäischen und deutschen Agrarpolitik, nicht mehr bedroht ist. Dank synthetischen Inputs und immer effizienterer Landtechnik machte die Landwirtschaft sich dabei unabhängiger von den Rückkopplungen aus den Ökosystemen, in die sie eingebettet ist. Dies hatte teilweise gravierende negative Folgen für diese Ökosysteme, die von „ausgeräumten“ Landschaften und Emissionen von Nährstoffen, Toxinen und Treibhausgasen beeinträchtigt werden. So werden nun Forderungen nach einer nachhaltigeren und weniger auf nur Nahrungsmittelproduktion fokussierten Ausrichtung der Landwirtschaft immer lauter, Agrar- bzw. gar Landwende ist das Stichwort. Doch wie kommt man dahin? Und was sind die Herausforderungen? Weiterlesen auf Progressive Agrarwende

Was man so lesen könnte…

Kürzlich wurde ich von einem Praktikanten, der ein VWL-Masterstudium erwägt, nach Bücher-Empfehlungen zum Thema „Ökonomik“ gefragt. Tatsächlich wurde mein Denken über Ökonomik bzw. über Menschen und Gesellschaft durch die Lektüre vieler verschiedener, oft nicht mal im weiteren Sinne ökonomischer Bücher geprägt. Und da vielleicht jemand etwas davon hat, beschloss ich, die Bücher, die mein Denken besonders geprägt haben, mal gebündelt zu besprechen.

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Modelle für die Agrarumweltpolitik

Eine der großen Herausforderungen der Agrarumweltpolitik ist (regelmäßige Leser*innen dieses Blogs werden meine „alte Laier“ wiedererkennen) die Heterogenität der Landwirtschaft, d. h. die räumlich stark variierenden biophysikalischen, wirtschaftlichen, sozialen Bedingungen der einzelnen Regionen, Betriebe und Felder. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die an einem Standort generiert wurden (bspw. hinsichtlich des Einflusses einer Maßnahme wie Blüstreifen auf ein bestimmtes Umweltziel wie Biodiversität), können nicht 1:1 auf andere Standorte übertragen werden. Gleichzeitig ist der Aufwand, alle Umwelteffekte einer jeden Maßnahme und Praktik an jedem Standort zu messen, zu groß. Genau deswegen gibt es Modelle. Und diese können für die Agrarumweltpolitik sehr nützlich sein.

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Was weiß ich schon über Landwirtschaft?

Seit 2–3 Jahren schreibe ich hier vermehrt über Landwirtschaft. Das spiegelt meine Forschung wieder, die sich seit Anfang 2017 um Landwirtschaft und ihre Umweltwirkungen dreht. Da stellt sich mir selbst (und meinen Leser*innen, Twitter-Follower*innen etc. vermutlich auch) öfters die Frage: darf ich überhaupt aus einer vermeintlichen Autoritätsposition (da „Wissenschaftler“) über Landwirtschaft reden?

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Nachhaltige Landwirtschaft – Summe UND Einzelteile

Zu oft werden in der Debatte um die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft einzelne Ansätze als DIE Lösung dargestellt: Bio-Landwirtschaft, Agroforst, regenerative Landwirtschaft, Precision Farming, Community-Supported Agriculture, you name it. Eine solche one-size-fits-all-Perspektive verkennt zweierlei. Erstens, dass Landwirtschaft inhärent, von ihrem Wesen her heterogen ist – je nach Region, Betrieb, ja sogar Feld sind die natürlichen, ökonomischen, sozialen Bedingungen unterschiedlich. Zweitens, dass kein einzelner Ansatz frei von Zielkonflikten ist. Ein Denken in mehr oder weniger klar umrissenen „Modellen“ ist hier nicht zielführend. Doch es wäre genauso irreführend, nachhaltige Bewirtschaftungspraktiken atomistisch, losgelöst voneinander zu betrachten, denn zum einen bedingen sich viele Praktiken gegenseitig, zum anderen gibt es kaum welche, die nach allen Kriterien durch die Bank als nachhaltig gelten können.

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Aus der Zeit gefallen: Renaturierung in Zeiten des globalen Wandels

Auf rhetorischer Ebene passiert in der EU gerade ziemlich viel im Hinblick auf den Umweltschutz. Der European Green Deal (EGD) und seine Satelliten (die Biodiversitäts-Strategie, die Farm-to-Fork-Strategie (F2F), neue Klimaziele) sind durchaus ambitioniert und betreffen alle möglichen Felder der Umweltpolitik (und, erfreulicherweise, darüber hinaus). Doch natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt – die Inkonsistenz des EGD bzw. speziell der F2F mit der anvisierten „Reform“ der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist ein prominentes Beispiel. Im Bereich Biodiversitätsschutz setzt die Europäische Kommission hingegen sehr stark auf Renaturierung; für 2021 ist die Veröffentlichung von verbindlichen Renaturierungszielen im Rahmen der Biodiversitäts-Strategie geplant. Doch ist Renaturierung eine sinnvolle Strategie in Zeiten des globalen Wandels?

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Sollten alle Externalitäten internalisiert werden?

Vor einer Weile bin ich dem Argument begegnet, das für die Umweltökonomik so zentrale Konzept der Externalität ließe sich (ich paraphrasiere) völlig beliebig verwenden, um jegliche noch so unberechtigten politischen Eingriffe zu begründen. Dem würde ich gern widersprechen, gleichzeitig aber diskutieren, warum nicht jede Externalität internalisiert werden sollte und worauf man beim Heranziehen dieses Konzepts achten muss.

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Fairness vs Effizienz bei Agrarumweltzahlungen revisited

In meinem letzten Beitrag diskutierte ich die vermeintliche Spannung zwischen Fairness und Effizienz bei (ergebnisorientierten) Agrarumweltzahlungen, einem ansonsten recht sinnvollen Instrument der Umweltpolitik. Den Studierenden in meiner Vorlesung Naturschutzökonomie an der Hochschule Anhalt verdanke ich nun den Impuls zu ein paar weiterführenden Gedanken zu dem Thema, die ich nun gern ausformulieren würde.

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