Nachhaltige Landwirtschaft – Summe UND Einzelteile

Zu oft werden in der Debatte um die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft einzelne Ansätze als DIE Lösung dargestellt: Bio-Landwirtschaft, Agroforst, regenerative Landwirtschaft, Precision Farming, Community-Supported Agriculture, you name it. Eine solche one-size-fits-all-Perspektive verkennt zweierlei. Erstens, dass Landwirtschaft inhärent, von ihrem Wesen her heterogen ist – je nach Region, Betrieb, ja sogar Feld sind die natürlichen, ökonomischen, sozialen Bedingungen unterschiedlich. Zweitens, dass kein einzelner Ansatz frei von Zielkonflikten ist. Ein Denken in mehr oder weniger klar umrissenen „Modellen“ ist hier nicht zielführend. Doch es wäre genauso irreführend, nachhaltige Bewirtschaftungspraktiken atomistisch, losgelöst voneinander zu betrachten, denn zum einen bedingen sich viele Praktiken gegenseitig, zum anderen gibt es kaum welche, die nach allen Kriterien durch die Bank als nachhaltig gelten können.

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Aus der Zeit gefallen: Renaturierung in Zeiten des globalen Wandels

Auf rhetorischer Ebene passiert in der EU gerade ziemlich viel im Hinblick auf den Umweltschutz. Der European Green Deal (EGD) und seine Satelliten (die Biodiversitäts-Strategie, die Farm-to-Fork-Strategie (F2F), neue Klimaziele) sind durchaus ambitioniert und betreffen alle möglichen Felder der Umweltpolitik (und, erfreulicherweise, darüber hinaus). Doch natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt – die Inkonsistenz des EGD bzw. speziell der F2F mit der anvisierten „Reform“ der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ist ein prominentes Beispiel. Im Bereich Biodiversitätsschutz setzt die Europäische Kommission hingegen sehr stark auf Renaturierung; für 2021 ist die Veröffentlichung von verbindlichen Renaturierungszielen im Rahmen der Biodiversitäts-Strategie geplant. Doch ist Renaturierung eine sinnvolle Strategie in Zeiten des globalen Wandels?

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Moralische Signifikanz des Artensterbens: eine Diskussion

Ich komme in letzter Zeit nicht wirklich dazu, hier etwas neues zu schreiben; möchte aber zumindest eine sehr interessante Diskussion wiedergeben, die ich gestern auf Facebook hatte, die sich um die Frage der moralischen Signifikanz des Artensterbens drehte. Ausgelöst wurde sie durch den Washington-Post-Beitrag von R. Alexander Pyron, We don’t need to save endangered species. Extinction is part of evolution, den ich unterstützend geteilt habe. Hier eine anonymisierte und leicht bearbeitete Wiedergabe der Diskussion:Weiterlesen »

Bioökonomie in einer begrenzten Welt

Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten kann die Bioökonomie einen wichtigen Beitrag zur Lösung globaler Probleme leisten. Darunter fallen die Gesundheit und Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, deren nachhaltige Versorgung mit Energie, Wasser und Rohstoffen sowie der Boden, Klima- und Umweltschutz.

Bioökonomie ist in der EU und insbesondere in Deutschland gerade das Buzzword der Stunde. Sogar das vom BMBF finanzierte Projekt, in dem ich die nächsten paar Jahre arbeiten werde und in dem sich kaum jemand explizit mit diesem Konzept befasst, heißt Boden als nachhaltige Ressource in der Bioökonomie (Bonares). Wie das obige Zitat, das ich der Homepage des Bioökonomierates entnommen habe, suggeriert, soll die Bioökonomie zur Lösung so ziemlich aller Umwelt- und verwandter Probleme beitragen, mit denen wir uns zur Zeit konfrontiert sehen.Weiterlesen »

Ökonomen vs. Naturschützer?

Die Debatte über die ökonomische Bewertung von Natur wird in Deutschland stark geprägt von der Auseinandersetzung zwischen den Umweltökonomen (sowie Vertretern anderer Disziplinen) von Naturkapital Deutschland – TEEB DE einerseits und der Heinrich-Böll-Stiftung andererseits. Besonders häufig wird diese Kontroverse zwischen zwei Personen ausgetragen: meinem Doktorvater und Leiter von Naturkapital Deutschland, Bernd Hansjürgens, sowie Barbara Unmüßig, Vostand der HBS. Auch ich habe mal an dieser Kontroverse teilgenommen. Doch zunehmend komme ich zu dem Schluss, dass, obwohl ich die HBS-Kritik oft überzogen und ungerechtfertigt finde, solche Scharmützel zu leicht vergessen lassen, dass man zumindest kurz- bis mittelfristig ähnliche Ziele verfolgt.Weiterlesen »

BIOECON 2016: Naturschutz für wen?

Die zweite Keynote Speech der BIOECON-Konferenz wurde von Amy Ando von der University of Illinois gehalten. Ich muss gestehen, dass mir der Name vorher völlig unbekannt gewesen war – ihr Vortrag war aber vermutlich der interessantere der beiden Keynotes. Es ging in ihm um eine Reihe von lose miteinander zusammenhängenden Fragestellungen, die sich aber um die Frage drehten: welche Rolle kann und sollte Ökonomik im Kontext des Naturschutzes spielen?

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Was kann einen Eigenwert haben?

Ich habe in meiner Arbeit recht viel zu tun mit Menschen, die allen möglichen natürlichen Entitäten einen Eigenwert zuweisen, die gern Naturschutz als Selbstzweck betreiben wollen. Wie bereits mehrfach angedeutet, bin ich derartigen Ansichten gegenüber recht skeptisch. Kürzlich wurde ich mit zwei besonderen Varianten des Physiozentrismus (sprich, der Überzeugung, dass nicht nur der Mensch einen intrinsischen, einen Eigenwert haben kann) konfrontiert, die mich stutzig gemacht haben – zum einen ging es darum, dass man Wildnis um ihrer selbst willen schützen sollte; zum anderen um den Schutz jeder noch so seltenen und ökologisch unbedeutenden Art. Beides erscheint mir mehr oder weniger absurd.

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„You cannot manage what you cannot measure“?

„You cannot manage what you cannot measure“. Der Autor dieser Worte heißt Pavan Sukhdev, ist ehemaliger Manager der Deutschen Bank und derzeit Koordinator und Sprecher der TEEB-Initiative. TEEB steht für The Economics of Ecosystem and Biodiversity und ist ein recht umstrittenes internationales Projekt. Für manche ist es der Versuch zu zeigen, wie ökonomische Bewertung der Natur sinnvollerweise funktionieren kann. Für andere ist es die Quelle alles Bösen bzw. Terrible Economics, Ecosystems and Banking. Und die Behauptung, Naturschutz käme ohne Quantifizierung nicht aus, stößt vielen Naturschützern besonders sauer auf. Man reduziere die Natur auf zählbare, klar voneinander abgrenzende Einheiten, womit ihre inhärente Komplexität verkannt werde. Zudem sei die Quantifizierung der erste Schritt in der vermeintlich logisch zwingenden Kette Quantifizierung → Monetarisierung → Kommodifizierung → Privatisierung → Zerstörung.Weiterlesen »