Die Transformation der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit ist aktuell eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Da es unter anderem um unsere Ernährung geht, sind die Debatten zu diesem Thema oft ziemlich emotional und tendieren zu Vereinfachungen, insbesondere one-size-fits-all- bzw. silver-bullet-Lösungsvorschlägen: „organic agriculture will feed the world“; grüne Gentechnik kann (fast) alle Probleme lösen; land sparing und „nachhaltige Intensivierung“ sind die Lösung, womöglich kombiniert mit Rewilding; etc. Da wünschte man sich hin und wieder ein paar Grauschattierungen.Weiterlesen »
Kategorie: Ökonomische Gedanken
Exit und Voice: von Fußball bis Kuba
Ich war schon immer schwer beeindruckt von Sozialwissenschaftler*innen, die sich nicht in eine disziplinäre Schublade stecken lassen. Da wäre bespielsweise der Ökonom–Philosoph Amartya Sen, dessen Einfluss auf mein Denken kaum zu überschätzen ist. Da wäre Jon Elster, ein… Soziologe? Ökonom? Philosoph? Und natürlich ist da noch Albert Otto Hirschman, eine besonders illustre Persönlichkeit.1 Gerade schreibe ich mit einem Kollegen an einem Artikel, in dem wir Hirschmans Konzept von Exit und Voice „missbrauchen“, um etwas über Genome-Editing-Regulierung zu sagen. Diese Gelegenheit würde ich gern nutzen, um ein paar Worte über diese einflussreichste von Hirschmans vielen Ideen zu erzählen, insbesondere über ihre diversen Anwendungen in sozialwissenschaftlicher Literatur.Weiterlesen »
Mit bedingungslosem Grundeinkommen ins Zeitalter der Maschinen?
Ein häufig genanntes Argument für das bedinungslose Grundeinkommen (BGE) ist, dass es eine Antwort sei auf das kommende „Zeitalter der Maschinen“ – die Digitalisierung und Maschinisierung der Arbeitswelt. Abgesehen davon, für wie realistisch man solche Visionen einer weitgehend von Maschinen, Algorithmen und künstlichen Intelligenzen dominierten „Arbeits“welt hält, stellt sich die Frage, ob das BGE dieses vermeintliche Schreckensszenario mittelfristig nicht eher beschleunigen würde.Weiterlesen »
Klimaschutz und die Verteilung steigender Energiekosten
Eine häufige Kritik an politischen Klimaschutzmaßnahmen, in Deutschland insbesondere am Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG), betrifft die Ungleichverteilung ihrer Kosten. Da ärmere Haushalte üblicherweise einen höheren Anteil ihres Einkommens für Strom und Heizung ausgeben, werden sie disproportional von Erhöhungen der Energiepreise getroffen, die von EEG oder dem EU-Emissionshandelssystem ausgehen. Doch obgleich die Aufmerksamkeit für die sozialen Auswirkungen der Energiewende löblich ist, wird der Fokus dabei üblicherweise ausschließlich auf die Kostenseite gelegt – die spiegelbildliche Ungleichverteilung der Nutzen wird dabei übersehen.Weiterlesen »
Zeit fürs Ende der Direktzahlungen?
2020 soll die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) reformiert werden. Es wird eine besondere Reform sein, denn sie muss mit einem in der Geschichte der EU einmaligen Ereignis zurechtkommen – dem Brexit. Wenn das Vereinigte Königreich die Union verlässt, bricht ein wichtiger Posten auf der Haben-Seite des EU-Haushalts weg. Die GAP stellt ca. 40% ebendieses Haushalts dar; UK ist nach Deutschland der zweitgrößte Nettoeinzahler in die sog. „erste Säule“, die vor allem aus den von der bewirtschafteten Fläche abhängigen Direktzahlungen an die Landwirt*innen besteht. Schon lange werden diese Direktzahlungen als schwer zu begründende, ineffiziente de-facto-Sozialtransfers kritisiert (bspw. hier). So gesehen könnte der Brexit die Chance sein, die GAP endlich grundlegend zu reformieren und die Direktzahlungen als solche abzuschaffen. Doch was dann?Weiterlesen »
Agrar- und Umweltökonomen aller Länder, vereinigt euch! Teil 2
Vor Kurzem habe ich einen zweiteiligen Beitrag veröffentlicht (Teil 1A, 1B), dessen Kernbotschaft war: Interaktionen zwischen Agrar- und Umweltökonomik sind zwar vorhanden, aber ausbaufähig. Nun möchte ich etwas ausführlicher begründen, warum mehr Austausch zwischen diesen beiden ökonomischen Subdisziplinen sinnvoll und für beide Seiten von Vorteil wäre.Weiterlesen »
Skeptische Ökonomie 2017 (nicht nur) in Zahlen
1: Anzahl der Doktorgrade, die der Autor von Skeptische Ökonomie 2017 erlangt hat (auch: Anzahl der Bücher, die derselbe geschrieben hat)
3: so lange (in Jahren) gibt es Skeptische Ökonomie schon (seit 7.12.2014)
7: so lange gibt es sie, wenn man die englischsprachige Vorgängerin mitrechnet (seit September 2010)
33: so oft wurde hier 2017 kommentiert
33: Anzahl der 2017 auf Skeptische Ökonomie veröffentlichten Beiträge
11.773: so oft wurde Skeptische Ökonomie vergangenes Jahr aufgerufen
20.000: diese Gesamtzahl von Aufrufen knackte Skeptische Ökonomie im Dezember
Die populärsten neuen (d. h. 2017 verfassten) Beiträge waren:
- Warum es OK ist, Sci-Hub zu nutzen (obwohl es illegal ist)
- Marktmacht der Wissenschaftsverlage: drei kurze Anekdoten
- Misanthropischer Humanismus
- Energiewende – einige Klarstellungen
- Nun sag, wie hast du’s mit dem bedingungslosen Grundeinkommen?
- Afrikas Misere und Fair Trade
- Bioökonomie in einer begrenzten Welt
Dauerbrenner (die populärsten älteren Beiträge):
- Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit
- Logische Konsistenz, moralische Intuition und das Trolley-Problem
- Die sozialen Dilemmata des Umweltschutzes
Was sonst noch geschah:
- Mein Interesse an landwirtschaftlichen Themen ist deutlich gestiegen (z. T. wegen des Projekts, in dem ich zzt. arbeite und wohl noch ein paar Jahre arbeiten werde).
- Ich habe eine Reihe von Beiträgen gestartet, in denen ich aus meiner wissenschaftlichen Arbeit berichte.
- Ich habe angefangen, meine Beiträge zu gendern.
- Exploring Economics, an dessen Erstellung meine Wenigkeit beteiligt war, wurde ausgezeichnet.
- Die alte (aber laufend aktualisierte) Liste mit Leseempfehlungen wurde durch eine belletristische ergänzt.
Danke fürs Lesen!

Ist die Ökonomik demokratiefeindlich?
Der Mainstream-Ökonomik wird einiges angehängt – von Imperialismus bis zu Wachstumsfetischismus. In Deutschland streiten seit einigen Jahren das Netzwerk Plurale Ökonomik und der Verein für Socialpolitik darüber, welche dieser Vorwürfe inwiefern berechtigt sind. Ein „klassischer“ Zankapfel ist die vermeintliche Obsession der neoklassischen (also: Mainstream-)Ökonomik1 mit (allokativer) Effizienz – den Kritiker*innen zufolge vor allem zulasten distributiver (d. h. Verteilungs-)Fragen. Ich möchte mich einer etwas anderen Frage widmen, die ebenfalls mit der Effizienz-Fokussierung zusammenhängt: ist die (Mainstream-)Ökonomik demokratiefeindlich?
Science-Fiction-Literatur und Sozialwissenschaften
Ein Kollege wunderte sich kürzlich, dass ich „nicht nur Sachbücher“, sondern auch mal einen Science-Fiction-Roman lese. Ich möchte heute zeigen, dass SF-Literatur als komplementär zu Sozialwissenschaften betrachtet werden kann.
Das sozialwissenschaftliche Grundproblem der teilnehmenden Beobachtung
Eigentlich ist „teilnehmende Beobachtung“ der Name einer Methode bzw. Herangehensweise der qualitativen Sozialforschung. Gleichzeitig spiegelt der Begriff aber auch ein Grunddilemma nahezu jeder sozialwissenschaftlichen Forschung wider: die Erhebung sozialwissenschaftlicher Primärdaten setzt faktisch immer eine Interaktion mit den „Forschungsobjekten“ (Menschen, individuell oder als Gruppen) voraus; eine neutrale Beobachtung bzw. Datenerhebung ohne Risiko eines invasiven Einflusses ist nicht möglich.