Das derzeitige ökonomische System, einschließlich der dazugehörigen Konsumkultur, ist nicht nachhaltig. Egal, ob wir ökologische, soziale oder finanzielle Nachhaltigkeit im Sinn haben – die Diagnose ist relativ unkontrovers. Irgendwas muss sich ändern. Es sind die Therapievorschläge, die Kontroversen erwecken. Entkopplung, d.h. Effizienz und eventuell Konsistenz, sagen die Einen. Degrowth, d.h. Schrumpfung, Suffizienz und Subsistenz, sagen die Anderen. Und dann gibt es noch solche, wie z. B. Jeroen van den Bergh oder mich, die meinen, dass Entkopplung zwar eine naive Utopie ist, aber degrowth/Schrumpfung auch kein sinnvoller Ansatz, weil auch hier BIP-Wachstum fetischisiert wird, bloß unter umgekehrten Vorzeichen. Ich setze an dieser Stelle voraus, dass Entkopplung zu unwahrscheinlich ist, als dass man vernünftigerweise alles auf ihre Karte setzen könnte, und möchte mich der Frage widmen: schrumpfen oder ignorieren?Weiterlesen »
Bäuerlicher Unmut
Hier eine herzliche doppelte Leseempfehlung zum Thema Landwirtschaft:
und Lieber Verbraucher – was ich verstanden habe…
Dieser zweiteilige Brief eines Bauern an „den Verbraucher“ ist so direkt und kompromisslos, wie er den Nagel auf den Kopf trifft. Er räumt mit vielen Illusionen auf, denen wir uns als Lebensmittelkonsumenten allzu oft hingeben. Absolut lesenswert.
Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit
Wir Umweltökonomen sind schon eine seltsame Spezies. Wir bepreisen die Natur. Wir betrachten sie als ein Bündel von Gütern und Quelle von Dienstleistungen bzw. als Naturkapital. Wir wägen materiellen Nutzen gegen die so vulgarisierten „Naturwerte“ im Sinne aggregierter Zahlungsbereitschaften ab, um den gesellschaftlichen Nettonutzen verschiedener Projekte „objektiv“ zu erfassen. Wir definieren Nachhaltigkeit auf eine seltsame Art und Weise als einen über die Zeit nicht-abnehmenden Konsumfluss. Und wir diskontieren bzw. zinsen auch noch ab, wodurch wir die Interessen künftiger Generationen „verschwinden lassen“. Haben wir sie denn noch alle?Weiterlesen »
Was macht „Natur“ aus?
Vor einer Weile schrieb ich einen Text, der zunächst auf Umweltforsch veröffentlicht wurde, in dem ich den Anthropozentrismus verteidigt habe. Ich schrieb u. a., dass ich keinen anderen Ansatz sehe, mithilfe dessen man Naturschutz konsistent begründen könnte. Nun habe ich doch noch einen gefunden (was an sich nicht schockieren muss, weil ich kein Experte für Umweltethik und Naturschutzbiologie bin), und zwar in dem Buch What’s So Good About Biodiversity: A Call for Better Reasoning About Nature’s Value von Donald S. Maier. Das Buch ist zwar anstrengend geschrieben (es hat 500 Seiten, 250-300 hätten aber wahrscheinlich vollkommen gereicht, um den Inhalt verlustfrei zu vermitteln), aber Maiers Argumentation ist äußerst innovativ und zum Nachdenken anregend.Weiterlesen »
Eine Lanze für den ökonomischen Imperialismus
Meine ersten beiden Beiträge auf diesem Blog (in seiner deutschsprachigen Version), die beide ursprünglich auf dem Wissenschaftsblog des UFZ veröffentlicht wurden, weisen eine Gemeinsamkeit auf. In beiden brach ich eine Lanze für Konzepte, von denen ich selbst nicht vollends überzeugt bin, die Kritik an welchen ich aber für völlig überzogen halte. Zeit, eine weitere Lanze zu brechen, diesmal für den „ökonomischen Imperialismus“.Weiterlesen »
Über Yin-Yang und Institutionen
Sind die Menschen gut? Oder sind sie böse? Lässt sich der Mensch durch die Förderung des Guten in ihm zum besseren Menschen formen (Marx)? Oder braucht es eines Leviathans, um Anarchie zu vermeiden (Hobbes)? Ist es naiv, auf das Gute im Menschen zu hoffen als Lösung für die Probleme der Welt? Ich vermute, dass ich nicht der einzige bin, der sich diese und ähnliche Fragen dauernd stellt. Doch ich wage heute den Versuch einer Antwort, auch wenn mir klar ist, dass ich nicht in der Lage bin, ihren Wahrheitsgehalt zu belegen.Weiterlesen »
Hoch lebe die Sharing Economy?
Teilen ist heutzutage in aller Munde. Angefangen mit der degrowth-Konferenz im letzten Herbst bis zu Business-Zeitschriften, in denen die Sharing Economy als einer der neuen, „grünen“ Trends gepriesen wird. Selten gibt es einen so breiten Konsens bei der Bewertung gesellschaftlicher Phänomene. Was einen sofort skeptisch machen sollte. Ist das überhaupt ein Konsens? Oder ist das Teilen der Einen nicht gleich der Sharing Economy der Anderen? Meinen Beobachtungen zufolge ist das Problem sogar etwas gravierender: „Teilen“ ist zzt. so en vogue, dass diese Bezeichnung sehr unterschiedlichen Phänomenen angehängt wird, die eigentlich auch sehr unterschiedlich zu bewerten sind. Und nicht unbedingt etwas mit Teilen zu tun haben.Weiterlesen »
Sollte man den Peak Oil fürchten?
Es gibt manchmal Texte, die hätte man als Blogger gern selbst geschrieben. Warum es viel zu viel Öl gibt von Jan Willmroth ist ein solcher Text (auf SZ.de) – eine knappe, schön sachliche, auf die gute Art ökonomische Analyse des Problems des angeblich zu befürchtenden Peak Oil. Hier ein Appetizer:
Irgendwann muss ein Zeitpunkt kommen, an dem die Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht, ab dann wird immer weniger Öl aus dem Boden gepresst. Die möglichen Folgen dieser Entwicklung haben Experten seit den Fünfzigerjahren immer wieder dramatisch beschrieben: Es komme zu einer globalen Versorgungskrise, weil der Ölbedarf bald nicht mehr gedeckt werden könne, zu Ressourcenkriegen um die letzten Quellen, zu einer globalen Energiekrise, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Die eifrigsten Pessimisten sagten gar einen Zusammenbruch der Industriegesellschaft voraus.
Das alles klingt so logisch, wie es in Wirklichkeit irrelevant ist. Teilweise ist es sogar völlig verkehrt. [mehr…]
Kapitalismus und Postwachstum – ein Widerspruch?
Man könnte sagen, es ist die Gretchen-Frage der Postwachstums-/degrowth-Bewegung: wie hat sie es mit dem Kapitalismus? Da diese Bewegung in sich äußerst heterogen ist, sind auch die Antworten sehr unterschiedlich. Da gibt es marxistisch angehauchte Aktivisten, oft Lateinamerikaner, die den Kapitalismus strikt ablehnen, z.B. unter der Fahne des Post-Extraktivismus. Andere scheuen die Begebung in die seichten Gewässer der (Anti-)Kapitalismus-Debatten und halten sich bezüglich der Gretchen-Frage explizit zurück (so z.B. Tim Jackson). Und es gibt sicherlich auch welche, die Kapitalismus und Postwachstum für vereinbar halten, auch wenn ich persönlich noch keinem über den Weg gelaufen bin. Aber: ist diese Frage überhaupt relevant? Und wie lautet denn die Antwort auf sie?Weiterlesen »
Und der Fortschritt schreitet fort…
Der Fortschritt ist wie eine Herde Schweine […] eine Herde Schweine, die auf dem ganzen Gehöft herumlaufen. Aus der Existenz dieser Herde ergeben sich verschiedene Vorteile. Es gibt Schinken. Es gibt Wurst, es gibt Speck, es gibt Eisbein in Aspik. Kurzum, Nutzen! Und da braucht man nicht die Nase zu rümpfen, dass alles vollgeschissen ist.
Zwerg Yarpen Zigrin in Andrzej Sapkowskis Die Dame vom See