5 Jahre Skeptische Ökonomie

Gerade eben wurde mir von WordPress mitgeteilt, dass ich seit inzwischen genau 5 Jahren einen Blog bei ihnen habe. Da habe ich mich an meine Alma mater erinnert gefühlt, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die sich als 1502 gegründet versteht (Gründungsjahr der Universität Wittenberg), obwohl in Wittenberg kein regulärer Universitätsbetrieb stattfindet und die Geschichte der Uni von 1502 bis heute keineswegs stetig verläuft (Interessierten empfehle ich den Wikipedia-Eintrag zur MLU). So betreffen die 5 Jahre auch bei mir sowohl den alten englischen Blog als auch den aktuellen deutschen. Immerhin gab es bei mir keinen klaren Bruch und thematisch einen mehr oder minder fließenden Übergang zwischen den beiden – in diesem Sinne bin ich der MLU voraus. Was macht man denn so anlässlich des fünften Blog-Geburtstags? Man veröffentlicht eine Liste von Beiträgen, auf die man besonders stolz ist (steht zumindest so im Bloggen für Dummies-Guide, gleich hinter „Auf der Suche nach einem guten Titel? Suche Inspiration auf bild.de“). Also dann:Weiterlesen »

Braucht man ökonomische Bewertung?

Zählt man meine Master-Arbeit dazu, beschäftige ich mich seit nunmehr 3 Jahren mit der ökonomischen Bewertung. Seit 2 Jahren besteht mein Ziel (bzw. das meiner Dissertation) darin, sie konzeptionell und teilweise auch methodisch weiterzuentwickeln. Wie ich hier schon des Öfteren kundgetan habe, finde ich, dass ökonomische Bewertung oft zu Unrecht kritisiert wird. Doch das heißt nicht, dass alle Kritik verfehlt ist. Aus meiner Sicht ist die schwierigste Frage, die man mir als „bewertendem Ökonomen“ stellen kann, die nach der Zweckmäßigkeit des Ganzen – wozu braucht man ökonomische Bewertung? Was kann sie tatsächlich leisten?Weiterlesen »

Über böse Flugreisen (nach D.C.), SCC und IAMs

Ich stehe gerade vor einem Dilemma, vor dem ich im Laufe meiner „wissenschaftlichen Karriere“ früher oder später stehen musste. Es wird von mir verlangt, dass ich in den 3 Jahren meiner Dissertation zumindest einmal eine internationale Konferenz besuche. Im jetzigen Stadium der Arbeit wäre das auch eine durchaus gute Idee. Problem? Die Konferenz, die am ehesten in Frage käme, findet nächsten Juni in Washington statt. Womit wir bei meinem Dilemma wäre – ich würde die Konferenz gern besuchen, verspüre aber eine tiefsitzende Abneigung gegen Flugreisen.Weiterlesen »

Was ist ökonomische Bewertung eigentlich (nicht)?

In meiner Doktor-Arbeit, die ich am Department Ökonomie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig schreibe, befasse ich mich mit der Frage, wie man mit dem „Bewertungsobjekt“ Biodiversität sinnvoll umgehen kann. Es geht also um ökonomische Bewertung von Umweltgütern im Allgemeinen bzw. von biologischer Vielfalt im Speziellen. Eine der interessantesten Fragen, auf die ich dabei bisher gestoßen bin, ist gleichzeitig die grundlegendste: Was ist ökonomische Bewertung eigentlich? Was macht sie aus? Wodurch unterscheidet sie sich von nicht-ökonomischen Bewertungen? Was heißt überhaupt „ökonomisch“?Weiterlesen »

Die (hier) omnipräsente ökonomische Bewertung

Ich habe vor einer Weile zusammen mit einem Kollegen angefangen, an einem theoretisch-konzeptionellen Paper über (umwelt-)ökonomische Bewertung zu arbeiten. Das Thema ist höchstspannend, es stellte sich aber gleichzeitig heraus, dass viele grundlegende Fragen offen sind – und dass wir auf viele keine klaren Antworten in der Standardliteratur finden. Wir müssen sie uns selbst erarbeiten. Die ist der Grund, warum ich in letzter Zeit zunehmend in teils sehr theoretische Gedanken über die ökonomische Bewertung abdrifte (angefangen mit einem allgemeineren Beitrag, über die Frage nach den ethischen Grundlagen, bis hin zum Problem der Substituierbarkeit und der Dichotomie Tauschwert-Nutzwert). Es wird auch eine Weile so bleiben. Wahrscheinlich fange ich irgendwann an, auch Wohlfahrtsökonomik einzuflechten. Be warned: andere Themen sind nicht ausgeschlossen, aber für eine Weile dürfte die ökonomische Bewertung das Geschehen dominieren.

Da es für mich ein gewisser Suchprozess ist, die Suche nach einem konsistenten und umfassenden Bild davon, was ökonomische Bewertung ist, bin ich dankbar für jegliche kritischen Kommentare zu meinen Ausdünstungen.

Erfasst ökonomische Bewertung Nutzwerte?

Unter den vielen Kritikpunkten an der umweltökonomischen Bewertung findet man unter anderem den Hinweis, dass sie nur Tauschwerte (d.h., Preise) ermittelt, nicht aber Nutzwerte, die die tatsächliche Bedeutung eines Gutes für den Menschen angeben. Gleichwohl hört oder liest man gelegentlich die Behauptung mancher Ökonomen, das Konzept des Ökonomischen Gesamtwertes (Total Economic Value, TEV), auf dem die ökonomische Bewertung meistens basiert, enthalte doch Nutzwerte. Wer hat nun Recht?Weiterlesen »

Was ist ein Wal wert? Oder ein menschliches Leben?

Darf man den ökonomischen Wert eines Wals oder eines menschlichen Lebens ermitteln? Kann man das überhaupt? Was ist mit dem ökonomischen Wert der gesamten Biosphäre? Ein gewichtiger Kritikpunkt an der ökonomischen Bewertung ist, dass sie genau das tue – sie hänge Sachen einen Preisschild an, die keinen haben dürfen. Doch ist das wirklich ökonomische Bewertung? Kann sie tatsächlich Aussagen über den Preis eines individuellen Wals, eines individuellen menschlichen Lebens oder der Biosphäre in ihrer Gesamtheit liefern?Weiterlesen »

Unwissen und der Wert von Biodiversität

„Biodiversität“ ist ein Begriff, der eine unglaubliche Karriere gemacht hat. Gibt es ihn doch erst seit 1986; gleichwohl stolpert man im Bereich der Umweltforschung und -politik dauernd über ihn. Oft wird dabei vom „Wert der Biodiversität“ gesprochen und geschrieben, wobei keine Einigkeit bezüglich der Frage herrscht, worin dieser eigentlich besteht. Dies ist der Ausgangspunkt meiner Doktorarbeit – auch wenn sie vor allem die Frage nach dem ökonomischen Wert von Biodiversität beantworten soll, musste ich mich durch einen sehr multidisziplinären Wust durcharbeiten und versuchen, ihn irgendwie zu systematisieren. Ergebnis: Der Wert von Biodiversität hat seine Hauptquelle in unserem Unwissen. Und vieles, was man sonst über ihn liest und hört, ist Blödsinn.Weiterlesen »

Werte oder Zahlungsbereitschaften?

Cecil Graham: What is a cynic?
Lord Darlington: A man who knows the price of everything, and the value of nothing.
Cecil Graham: And a sentimentalist, my dear Darlington, is a man who sees an absurd value in everything and doesn’t know the market price of any single thing.

Die ökonomische Bewertung bzw. Inwertsetzung von Naturgütern (oder auch dem menschlichen Leben) wird häufig kritisiert als unmoralisch bzw. wichtige „moralische Werte“ außer Acht lassend. Wie kürzlich in einem Zeitungskommentar ausgedrückt, „wer mit Moral rechnet, braucht mit Moral nicht zu rechnen“. Ist diese Kritik denn gerechtfertigt?Weiterlesen »

Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit

Wir Umweltökonomen sind schon eine seltsame Spezies. Wir bepreisen die Natur. Wir betrachten sie als ein Bündel von Gütern und Quelle von Dienstleistungen bzw. als Naturkapital. Wir wägen materiellen Nutzen gegen die so vulgarisierten „Naturwerte“ im Sinne aggregierter Zahlungsbereitschaften ab, um den gesellschaftlichen Nettonutzen verschiedener Projekte „objektiv“ zu erfassen. Wir definieren Nachhaltigkeit auf eine seltsame Art und Weise als einen über die Zeit nicht-abnehmenden Konsumfluss. Und wir diskontieren bzw. zinsen auch noch ab, wodurch wir die Interessen künftiger Generationen „verschwinden lassen“. Haben wir sie denn noch alle?Weiterlesen »