Wie stark lassen wir uns in unserer Meinung von empirischen Befunden bzw. Argumenten mit empirischer Basis beeinflussen? Und wie ist es möglich, dass verschiedene Menschen dieselben empirischen Daten so unterschiedlich interpretieren?
Kategorie: Philosophieren
Was kann einen Eigenwert haben?
Ich habe in meiner Arbeit recht viel zu tun mit Menschen, die allen möglichen natürlichen Entitäten einen Eigenwert zuweisen, die gern Naturschutz als Selbstzweck betreiben wollen. Wie bereits mehrfach angedeutet, bin ich derartigen Ansichten gegenüber recht skeptisch. Kürzlich wurde ich mit zwei besonderen Varianten des Physiozentrismus (sprich, der Überzeugung, dass nicht nur der Mensch einen intrinsischen, einen Eigenwert haben kann) konfrontiert, die mich stutzig gemacht haben – zum einen ging es darum, dass man Wildnis um ihrer selbst willen schützen sollte; zum anderen um den Schutz jeder noch so seltenen und ökologisch unbedeutenden Art. Beides erscheint mir mehr oder weniger absurd.
Warum ist Ungleichheit schlecht?
Oder sollte die Frage vielleicht lauten: ist sie überhaupt schlecht?Weiterlesen »
Das faszinierende an Ethik und Wissenschaft
Ich hatte heute ein sehr spannendes Gespräch am Abendbrotstisch. Es war kurz und scheinbar trivial, aber es machte mir außergewöhnlich deutlich klar, warum ich Wissenschaft und Ethik faszinierend finde.Weiterlesen »
Ein paar Gedanken über distributive Gerechtigkeit
Deklarativ finden die meisten Menschen Ungleichheit schlecht. Dies betrifft insbesondere Ungleichheit bezüglich Rechten und Freiheiten, aber durchaus auch die Ungleichheit von Vermögen und Einkommen (auf die ich mich heute konzentrieren werde). Vor Kurzem erst versuchte man in der Süddeutschen eine Debatte anzustoßen über Besteuerung im Dienste distributiver Gerechtigkeit – sei es mit Fokus auf Erbschafts- oder Vermögenssteuern. Auch ich habe einst ein paar Zeilen zum Thema geschrieben und möchte erneut die paar Gedanken teilen, die mir durch den Kopf schwirren.
Die Ambivalenz des vermeintlich „natürlichen“
Als ich mich hier vor einer Weile über die Verwendung des Begriffs „natürlich“ im Naturschutzkontext ausgelassen habe, wies mich ein guter Freund darauf hin, dass ebendieser Begriff im Kontext politischer Debatten auch als „Herrschaftsinstrument“ verstanden werden kann. Es ging ihm um die Darstellung von „Heterosexualität, Geschlechterrollen oder andere[n] Verhaltensarten wie Egoismus“ als der Natur des Menschen entsprechend, und er fügte korrekt hinzu: „[d]er Naturbegriff wird hier also zu einer Legitimation von Herrschaftsverhältnissen. Der Status quo ist die Norm, man kennt die Welt auch nicht anders, deswegen sind jegliche Abweichungen Anomalien.“ Warum ich das so ausführlich zitiere? Weil ich von ebendiesem Freund ein Buch zum Geburtstag bekommen hatte, das mich kürzlich an diese Betrachtung des Begriffs „natürlich“ auf eine unerwartete Art und Weise erinnerte. Die folgende Diskussion verbindet gewissermaßen einige „non-ökonomische“ Motive meiner hiesigen Schreiberei.Weiterlesen »
Werbung, Kant und Statistik
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Ist die Ökonomie eine Wissenschaft?
Darum, ob die Ökonomie eine Wissenschaft sei, streiten sich schon immer die Geister. So akademisch diese Frage erscheint, so wichtig kann sie in der Praxis sein – es ist nun mal so, dass man in unserer Gesellschaft als Wissenschaftler eine Art Sonderstatus genießt. In Deutschland, wo man immer wieder auf Klingelschildern „Dr.“ oder „Prof. Dr. Dr.“ sieht und Minister gestürzt werden, weil sie des Prestige wegen um jeden Preis einen Doktortitel haben wollten, merkt man dies besonders deutlich. Aber auch aus rein „akademischem“ Interesse ist die Frage nach dem Wissenschaftsstatus der Ökonomie durchaus spannend – zumal man sich bei ihrer Beantwortung klar machen muss, was eigentlich Wissenschaft ist und was die Ökonomie ausmacht. Beides ist bei Weitem nicht trivial.Weiterlesen »
5 Jahre Skeptische Ökonomie
Gerade eben wurde mir von WordPress mitgeteilt, dass ich seit inzwischen genau 5 Jahren einen Blog bei ihnen habe. Da habe ich mich an meine Alma mater erinnert gefühlt, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die sich als 1502 gegründet versteht (Gründungsjahr der Universität Wittenberg), obwohl in Wittenberg kein regulärer Universitätsbetrieb stattfindet und die Geschichte der Uni von 1502 bis heute keineswegs stetig verläuft (Interessierten empfehle ich den Wikipedia-Eintrag zur MLU). So betreffen die 5 Jahre auch bei mir sowohl den alten englischen Blog als auch den aktuellen deutschen. Immerhin gab es bei mir keinen klaren Bruch und thematisch einen mehr oder minder fließenden Übergang zwischen den beiden – in diesem Sinne bin ich der MLU voraus. Was macht man denn so anlässlich des fünften Blog-Geburtstags? Man veröffentlicht eine Liste von Beiträgen, auf die man besonders stolz ist (steht zumindest so im Bloggen für Dummies-Guide, gleich hinter „Auf der Suche nach einem guten Titel? Suche Inspiration auf bild.de“). Also dann:Weiterlesen »
Problematische Begriffe des Naturschutzes, Teil 2: „(ein)heimisch“
Vor einem knappen Jahr nahm ich an einer BfN-Tagung teil, die auf der wunderschönen Insel Vilm bei Rügen stattfand. In einem der Vorträge ging es um Einflüsse von Stadteffekten auf Kleinsäugergemeinschaften. In diesem ging es unter anderem darum, wie sich Mäuse wohl in der Nähe der „Neophyten“ Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) und Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) fühlen. In der Diskussion, in der ich die dahingehende Interpretation der Ergebnisse anzweifelte, dass die Exoten sich negativ auf Mäuse auswirkten, konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Ergebnis bereits vorher feststand und durch die Studie nur noch bestätigt werden sollte – und zwar, dass Neophyten, d. h. „nichtheimische“ Pflanzen, schlecht sind.