Hausschuhe vs. Teppiche

Es ist einfacher, deine Füße mit Hausschuhen zu schützen, als die ganze Erde mit Teppichen auszulegen.

Dieses etwas aus dem Kontext gerissene Zitat stammt aus dem schönen Büchlein Eine Minute Weisheit des Jesuiten Anthony de Mello. Ich habe es gewählt, weil es eine recht gute, pragmatische Antwort auf eine häufige Kritik ökonomischer Ansätze im Umweltschutz darstellt. Zudem passt es in seiner „Besinnlichkeit“ zur Weihnachtszeit. Einigen wir uns darauf, dass dies mein diesjähriger Weihnachts-Beitrag ist.Weiterlesen »

Ökonomisch = Märkte = Kapitalismus = Böse

Was ökonomisch ist, muss mit Märkten zu tun haben. Von Märkten ist es nicht mehr weit zum Kapitalismus, und dieser ist bekanntlich die Wurzel alles Bösen. So einfach kann man sich die Welt erklären – Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung tun dies regelmäßig. Ein aktuelles Beispiel ist das Discussion Paper Economic Valuation and Payment for Environmental Services: Recognizing Nature’s Value or Pricing Nature’s Destruction?, von einer gewissen Jutta Kill verfasst. Ich wurde dazu auserkoren, einen Kommentar dazu zu schreiben, was ich auch tat (eine Antwort der Autorin wurde angekündigt). Ich werde hier nicht den Kommentar zusammenfassen, würde aber gern auf die dem Kill-Text und vielen ähnlichen Publikationen zugrunde liegende „Logik“ eingehen, mit der ich nicht im geringsten einverstanden bin.Weiterlesen »

Warum Preisfixierung ökonomische Bewertung notwendig macht

Wir leben in einer sogenannten „Konsumgesellschaft“, in der Konsum sehr viele Funktionen spielt, jenseits der üblichen Befriedigung materieller Bedürfnisse. Konsumgüter sind Statussymbole, Einkaufen dient der Frustrationsbewältigung oder ist schlicht ein Mittel gegen Langeweile. Diese „Kultur des Konsumismus“ ist unschön und aus Sicht mancher Menschen unerwünscht. Ihre Ursachen sind unklar – viele suchen sie im ominösen Kapitalismus. Man könnte jedoch sagen: nun ja, wenn die Menschen es so wollen, sollen sie doch (ich bin nicht sicher, ob diese Herangehensweise korrekt ist, werde sie aber heute als Prämisse für weitergehende Ausführungen nutzen). Problematisch ist allerdings, dass kollektiver Konsumismus Folgen hat, die viele Menschen eigentlich gar nicht zu wollen scheinen – von Umweltzerstörung bis hin zum Verschwinden kleinskaliger Konsumoptionen („Tante-Emma-Laden“) zugunsten anonymer, rein verwertungsorientierter Konsumzentren. Ein Grund dafür ist, dass wir modernen Konsumenten extrem preisfixiert sind und andere Informationen über die gekauften Produkte und Dienstleistungen vernachlässigen. Und das wiederum bedeutet, dass ökonomische Bewertung durchaus sinnvoll sein kann.Weiterlesen »

Hollis Brown, Emissionshandel und Biodiversity Offsets

There’s seven people dead
On a South Dakota farm
Somewhere in the distance
There’s seven new people born

Als Bob Dylan vor mehr als 50 Jahren diese Zeilen schrieb (sie stammen aus dem Lied „Ballad of Hollis Brown“ von seinem 64er Album The Times They Are A-Changin’), war er sich sicherlich nicht dessen bewusst, dass sie mal als Einstieg in einen Blogbeitrag über Biodiversity Offsets dienen würden.Weiterlesen »

Die Illusion der Befreiung von der Natur

Mein Arbeitgeber organisiert hin und wieder medienwirksame öffentliche Vorlesungen, genannt Helmholtz Environmental Lecture (HEL), zu denen bevorzugt prominente Redner aus dem Bereich Forschung und „Drumherum“ eingeladen werden. Kürzlich hatten wir das Vergnügen, uns einen Vortrag aus dem Bereich „Drumherum“ anzuhören – Matthias Horx war zu Gast, ein Publizist und Zukunftsforscher. Der Vortrag war eher mäßig und von ungesundem Technologie-Optimismus geprägt (relativ früh kam bei mir die Frage auf, wie lange es wohl dauern würde, bis das Ecomodernist Manifesto erwähnt wird – es hat eine Weile gedauert, aber meine Erwartung wurde nicht enttäuscht). Über diesen Technologie-Optimismus möchte ich heute schreiben – um genauer zu sein, möchte ich die implizite Hypothese anzweifeln, dass die Befreiung von den Zwängen der Natur durch Technologie eine tatsächliche Befreiung ist.Weiterlesen »

Fairphone – das Smartphone, das Pigou gekauft hätte?

Früher gehörte zu einem Gutmensch ein Jutebeutel, heutzutage ist es das Fairphone. OK, das ist vielleicht ein etwas weit hergeholter Vergleich, aber Tatsache ist, dass man heutzutage nur noch sehr schwer um den Besitz eines Smartphones herumkommt. Und wenn man ein sog. Gutmensch ist, dann entscheidet man sich oft eben für das Fairphone – ein Handy, das mit dem Slogan „buy a phone, join a movement“ wirbt und als das umwelt- und sozialverträglichste gilt, was der Smartphone-Markt zu bieten hat.Weiterlesen »

Ist die Ökonomie eine Wissenschaft?

Darum, ob die Ökonomie eine Wissenschaft sei, streiten sich schon immer die Geister. So akademisch diese Frage erscheint, so wichtig kann sie in der Praxis sein – es ist nun mal so, dass man in unserer Gesellschaft als Wissenschaftler eine Art Sonderstatus genießt. In Deutschland, wo man immer wieder auf Klingelschildern „Dr.“ oder „Prof. Dr. Dr.“ sieht und Minister gestürzt werden, weil sie des Prestige wegen um jeden Preis einen Doktortitel haben wollten, merkt man dies besonders deutlich. Aber auch aus rein „akademischem“ Interesse ist die Frage nach dem Wissenschaftsstatus der Ökonomie durchaus spannend – zumal man sich bei ihrer Beantwortung klar machen muss, was eigentlich Wissenschaft ist und was die Ökonomie ausmacht. Beides ist bei Weitem nicht trivial.Weiterlesen »

Der Entwicklungs-Umwelt-Nexus

Ich muss gestehen, dass ich nicht gewusst hatte, wer Angus Deaton ist, bevor er mit dem diesjährigen Wirtschafts-Nobel-Gedenkpreis ausgezeichnet wurde. Ein Leontief-Preis und ein positiv scheinender Tweet von Dani Rodrik indizieren aber schon einmal, dass dies keine schlechte Wahl war. Als ich den SZ-Kommentar zu der Auszeichnung las, erinnerte ich mich an einen Bereich der ökonomischen Forschung, für den ich mich früher begeistert hatte – und der mich gewissermaßen an diese Disziplin herangeführt hatte: die Entwicklungsökonomik. Deaton ist ein Kritiker der „Hilfsindustrie“ (Rodrik) und betont, dass Geld allein nicht reicht, um armen Ländern zu helfen – etwas, worauf ich vor Ewigkeiten auch einmal hinwies (natürlich ohne damals wirklich Ahnung gehabt zu haben, sondern höchstens Intuition). Wie dem auch sei, ist die Auszeichnung von Deaton eine gute Gelegenheit, ein paar Worte über den Zusammenhang zwischen Entwicklungs- und Umweltökonomik zu verlieren – denn die Überschneidungen zwischen den beiden Forschungsrichtungen sind viel größer, als dies den meisten Beteiligten bewusst zu sein scheint.Weiterlesen »

Die Sustainable Development Goals und das Menschenrecht auf Wasser

Und da ich schon am Teilen fremder Beiträge bin, hier ein interessanter Text von zwei Kollegen aus meinem UFZ-Department zum Thema Recht auf Wasser aus einer ketzerisch-ökonomischen Perspektive, veröffentlicht auf dem Umweltforsch-Blog des UFZ. Sehr lesenswert, wie ich finde: Die Sustainable Development Goals und das Menschenrecht auf Wasser von Erik Gawel und Wolfgang Bretschneider.

P.S. Für Lesefaule gibt es auch eine Interview-Version bei Spiegel Online.