Auch in der Landwirtschaft setzt Sollen Können voraus

Klima- und Naturschutz, Tierwohl, bessere Arbeitsbedingungen für saisonale Kräfte… Die Liste der Forderungen aus Politik und Zivilgesellschaft an die Landwirtschaft ist lang. Die meisten von ihnen sind wohl berechtigt. Nichtsdestotrotz ist es eine offene Frage, wie viel man von landwirtschaftlichen Betrieben verlangen kann, angesichts der ökonomischen, rechtlichen, technologischen oder natürlichen Restriktionen, die ihren Handlungsspielraum beschränken. Mit anderen Worten: machen es sich politische und zivilgesellschaftliche Akteure nicht etwas zu einfach, wenn sie erwarten, „die Landwirtschaft“ solle bestimmten Forderungen einfach folgen, ungeachtet dessen, ob sie es auch kann? Tragen Landwirt:innen für all die negativen Konsequenzen landwirtschaftlicher Produktion Verantwortung?

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Über den Rand des eigenen Teiches blicken

Ich lese gerade mal wieder, nach einer längeren, belletristikgeprägten Pause, ein sozialwissenschaftliches Buch in meiner Freizeit: Michele Alacevichs Albert O. Hirschman: An Intellectual Biography. Dass Hirschman ein wahnsinnig interessanter Denker war, wusste ich schon vorher. Aber die Lektüre hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist, hin und wieder den eigenen „intellektuellen Teich“ zu verlassen und einen Ausflug in die Nachbarteiche zu wagen, um zu sehen, was da so Spannendes und (potenziell) Inspirierendes los ist.

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Verbote oder Anreize?

In den politischen Debatten um Nachhaltigkeit (Klimaschutz, Artenschutz…) in Deutschland wird der Partei, die seit ihrer Gründung mit diesem Themenkomplex assoziiert wird, den Grünen, öfters vorgeworfen, sie seien eine „Verbotspartei“. Auch wenn dies in Einzelfällen überzogene Rhetorik sein mag, ist es doch augenscheinlich, dass in den besagten Debatten häufig argumentiert wird, als wären Verbote bzw. das Ordnungsrecht das einzige probate Mittel der Umweltpolitik. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, Anreize dem Ordnungsrecht vorzuziehen oder zumindest ergänzend zu nutzen.

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Nachhaltiger Konsum: Exit oder Voice?

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit umfassender Änderungen in Konsummustern bedarf. Eine entscheidende Frage dabei: wie sollte man diese Änderungen herbeiführen? Zwei Optionen stehen grundsätzlich zur Debatte, die oft in scharfen entweder–oder-Kategorien diskutiert werden – individuelle Konsumentscheidungen sowie Veränderungen in den Rahmenbedingungen (Verbote, Anreize etc.). Viele Konsument:innen gehen bereits den Weg der individuellen Konsumentscheidungen und versuchen, auf problematische Produkte zu verzichten oder sie durch nachhaltigere Alternativen zu ersetzen. Damit geht oft die Aufforderung an die Umgebung einher, es ihnen gleichzutun. Doch ist das eine zielführende Strategie?

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Frage ans Publikum: Welche Gründe gibt es für die Sonderbehandlung der Landwirtschaft?

Agricultural Exceptionalism ist ein bereits älteres Konzept (vgl. beispielhaft hier), das auf der Beobachtung gründet, dass die Landwirtschaft seitens der Gesellschaft und des Staates anders behandelt wird als andere Sektoren moderner Volkswirtschaften. Diese „Sonderbehandlung“ hat sich im Verlauf der Zeit gewandelt, die grundsätzliche Gültigkeit dieser Diagnose bleibt jedoch. Verschiedene ihrer Aspekte werden dabei von verschiedenen Akteuren kritisiert – während bspw. Umweltverbände anprangern, dass die Landwirtschaft der einzige Sektor ist, der offen und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit massiv staatlich subventioniert wird, beklagen Bauernverbände, dass sie wie kein anderer Sektor einer Vielzahl Regulierungen ausgesetzt, ja, unterworfen ist. Man könnte ketzerisch behaupten, dass dies zwei Seiten derselben Medaille sind, aber darum geht es mir heute nicht. Mich interessieren die Gründe dieser Sonderbehandlung, des Exceptionalism.

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Warum ich mich hinsichtlich globaler Studien geirrt habe (teilweise)

Ich hatte schon immer eine recht tief sitzende Skepsis gegenüber globalen Betrachtungen im Bereich der Umweltforschung – sei es das sehr einflussreiche Konzept planetarer Grenzen, globale Analysen von Umweltpolitik, ähnlich groß angelegte Modellierungsstudien oder Costanzas berühmte (und unsinnige) „ökonomische“ Bewertungsstudie der Biosphäre. Stattdessen plädierte ich immer für die weniger größenwahnsinnigen, weniger Nature- oder Science-trächtigen, dafür deutlich detailreicheren und weniger mit problematischen Annahmen behafteten, kontextspezifischen lokalen und regionalen Betrachtungen. Diese machen auch den Großteil meiner eigenen Forschung aus. Und doch komme ich zunehmend zu dem Schluss, dass globale Betrachtungen keineswegs verzichtbar sind – ganz im Gegenteil, all ihren Problematiken zum Trotz sind sie zwingend notwendig. In einer global vernetzten Welt kommt man nicht um sie umhin – allerdings muss klar sein, was sie leisten können und was hingegen kleinerskaligen Studien überlassen werden sollte.

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Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine Substitute

In den Debatten nach den verheerenden Hochwasserereignissen in diesem Juli stieß man gelegentlich auf das (teils implizite) Argument, dass die Betonung der notwendigen Anpassung an den Klimawandel den Klimaschutz als politisches Ziel unterminieren könnte. Das ist politisch-praktisch möglicherweise nicht ganz falsch, doch eigentlich ist die mit diesem Argument implizierte Substituierbarkeit zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung ein gefährlicher Fehlschluss. Man kann weder Klimaschutz durch Klimaanpassung ersetzen, noch andersherum, jedenfalls nicht in nennenswertem Maße.

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Klimaschutz, der Umweltökonomik Traum

Der Klimawandel ist zweifellos eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen heute. Nichtsdestotrotz ist er mitnichten die einzige, nicht unbedingt sogar die größte, selbst wenn man sich auf Umweltherausforderungen beschränkt. Daher mag verwundern, warum die Umweltökonomik gerade dieser speziellen Herausforderung so viel Aufmerksamkeit schenkt, verglichen beispielsweise mit dem Biodiversitätsschutz (so jedenfalls meine Wahrnehmung). Der Grund, so scheint es mir, liegt darin, dass der Klimawandel ein Problem ist, das sich extrem gut in mainstream-ökonomischen Kategorien ausdrücken lässt – während das auf Biodiversität kaum zutrifft.

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[Progressive Agrarwende] Agrarumweltpolitik in heterogenen Landschaften: die Kunst der Abwägung

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Landwirtschaft enorme Produktivitätsfortschritte erzielt, sodass Ernährungssicherheit, der alte Hauptfokus der europäischen und deutschen Agrarpolitik, nicht mehr bedroht ist. Dank synthetischen Inputs und immer effizienterer Landtechnik machte die Landwirtschaft sich dabei unabhängiger von den Rückkopplungen aus den Ökosystemen, in die sie eingebettet ist. Dies hatte teilweise gravierende negative Folgen für diese Ökosysteme, die von „ausgeräumten“ Landschaften und Emissionen von Nährstoffen, Toxinen und Treibhausgasen beeinträchtigt werden. So werden nun Forderungen nach einer nachhaltigeren und weniger auf nur Nahrungsmittelproduktion fokussierten Ausrichtung der Landwirtschaft immer lauter, Agrar- bzw. gar Landwende ist das Stichwort. Doch wie kommt man dahin? Und was sind die Herausforderungen? Weiterlesen auf Progressive Agrarwende

Was man so lesen könnte…

Kürzlich wurde ich von einem Praktikanten, der ein VWL-Masterstudium erwägt, nach Bücher-Empfehlungen zum Thema „Ökonomik“ gefragt. Tatsächlich wurde mein Denken über Ökonomik bzw. über Menschen und Gesellschaft durch die Lektüre vieler verschiedener, oft nicht mal im weiteren Sinne ökonomischer Bücher geprägt. Und da vielleicht jemand etwas davon hat, beschloss ich, die Bücher, die mein Denken besonders geprägt haben, mal gebündelt zu besprechen.

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