Interdisziplinarität ist die conditio sine qua non gesellschaftlich relevanter Nachhaltigkeitsforschung. Nur leider spiegelt sich dies in der Forschungsförderung und -organisation nur bedingt wieder. So zeigten Indra Overland und Benjamin Sovacool kürzlich im Kontext der Klimaforschung, dass weltweit lediglich etwa ein Promille der in sie fließenden Mittel bei den Sozialwissenschaften landet. Dieses massive Ungleichgewicht „beraubt“ die Klimaforschung essentieller Erkenntnisse bezüglich des klimarelevanten menschlichen Verhaltens, der Rolle von Institutionen bzw. insgesamt eines umfassenden Systemverständnisses. Gleichwohl ist es leider so, dass es keineswegs ausreichen wird, schlicht den Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen mehr Geld zuzustecken. Denn die Ungleichgewichte, die interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung erschweren, sind nicht nur materieller, sondern auch kulturell–institutioneller Natur. Und als solche alles andere als leicht zu beheben.
Weiterlesen »Kategorie: Forschung und Lehre
Umwelt- und Ressourcenökonomische Lehrstühle in Deutschland
Da ich gerade allmählich anfange, meine wissenschaftlichen Zukunftsaussichten auszuloten, wurde plötzlich interessant, wo es denn in Deutschland thematisch für mich relevante Lehrstühle gibt. Und da ich im Netz keine Liste finden konnte, habe ich angefangen, selbst eine Liste umwelt- und ressourcenökonomischer Lehrstühle in Deutschland anzulegen.
Weiterlesen »Bin ich ein Ökonom?
Eine ziemlich akademisch und zunächst vielleicht auch egozentrisch anmutende Frage. Die eigentlich richtige Reaktion wäre: Who cares? Doch sie ist für meine (und nicht nur meine) Karriere leider sehr relevant. Und zudem mit der zugrundeliegenden Frage verbunden: was ist eigentlich Ökonomik?
Weiterlesen »Die Wissenschaft in Zeiten der Corona
Eigentlich wollte ich mich aus den aktuellen COVID19-Debatten weitgehend heraushalten. Aber ich nehme in der Wissenschaft zwei mit der Pandemie zusammenhängende, besorgniserregende Trends wahr, die ich kurz kommentieren möchte.
Weiterlesen »Die Kunst der wissenschaftlichen Zusammenarbeit: Ko-Autor*innen
Wissenschaft, gerade Nachhaltigkeitswissenschaft, ist ein kollaboratives Unterfangen. Das trifft insbesondere auch auf das Schreiben von Publikationen zu. Daher ist es von erheblicher Bedeutung, dass man sich passende Kooperationspartner*innen und letztlich Ko-Autor*innen sucht, die nicht nur die notwendige Expertise mitbringen, sondern mit denen man auch gut klar kommt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man an die Ko-Autor*innen-Suche herangehen kann.
Weiterlesen »Elsevier und die Notwendigkeit kollektiver Lösungen
Aufgrund der vorerst gescheiterten Verhandlungen des DEAL-Verbundes deutscher Forschungsorganisationen mit dem niederländischen Verlagsgiganten Elsevier hat man als Forscherin in Deutschland derzeit keinen Zugang zu Elsevier-Inhalten, die 2018 und 2019 veröffentlicht wurden. Man kommt zwar weiterhin über Fernleihe, Repositorien sowie weniger legale Alternativen an die gewünschten Publikationen heran. Doch der Konsens in der Wissenschafts-Community ist, dass Elsevier ein Problem ist – als Ausdruck der Unterstützung der Open-Science-Ziele sowie als Druckmittel gegen Elsevier entscheiden sich daher viele für zahlreiche Formen des Boykotts. Dabei stößt man als Einzelner jedoch auf Grenzen, wie ich gerade.
Weiterlesen »„Nennen Sie uns Ihre drei wichtigsten Publikationen“
Diese oder eine inhaltlich ähnliche Frage hört man als Wissenschaftlerin öfters – in Bewerbungs-, Entfristungs- oder sonstigen für die Karriere entscheidenden Gesprächen. Doch was heißt „die wichtigsten Publikationen“ überhaupt?
Weiterlesen »Weniger als die Summe der Einzelteile
Schaut man sich das deutsche Wissenschaftssystem an, fällt einem sehr schnell auf, dass es sehr viele Doktorand*innen gibt und relativ wenig Post-docs. Dieser Zustand kann in vielfacher Hinsicht kritisiert werden, u. a. Machtkonzentration in (wenigen) Lehrstühlen sowie Unsicherheit für ebendiese Doktorand*innen, von denen die meisten das Wissenschaftssystem nach der Promotion wieder verlassen müssen. Doch darum wird es in einem späteren Beitrag mal gehen – heute möchte ich mich stattdessen einem eher „technischen“ Problem widmen, das mit dieser Masse an Promotionen einhergeht, nämlich der zu starken Fokussierung auf „neue“ Forschung.
Weiterlesen »To be or not to be: Möchtegern-kreative Titel wissenschaftlicher Artikel
Vor mehr als drei Jahren wies ich hier darauf hin, wie kreativ manche Wissenschaftler*innen bei der Formulierung von Artikeltiteln sind. Doch sind das leider seltene Ausnahmen – in den meisten Fällen sind die Titel wissenschaftlicher Publikationen entweder trocken und dröge, oder aber möchtegern-kreativ. Letzere greifen auf mitunter völlig abgedroschene Phrasen zurück, und um diese soll es heute gehen.Weiterlesen »
Frauen in der Umweltökonomik
Dieses Jahr wurde zum zweiten Mal in der Geschichte des Nobel-Gedenkpreises für Wirtschaftswissenschaften ein fast-Umweltökonom ausgezeichnet. William Nordhaus ist ein sehr anerkannter Klimaökonom – gleichzeitig aber, und das ging in den vielen enthusiastischen Medienberichten unter, auch ein umstrittener, insbesondere wegen seiner Position zur sozialen Diskontierung sowie seiner klimapolitischen Empfehlungen (Stichwort climate policy ramp). Doch heute soll es mir nicht um Nordhaus’ Würdigkeit als Preisträger gehen (trotz der Kontroversen ist sie gewiss gegeben) – dazu siehe z. B. Frank Ackermans Buch Can We Afford the Future? Stattdessen möchte ich den Anlass nutzen, um mir die Gender-Balance in der Ökonomik bzw. speziell Umweltökonomik anzuschauen.