Das andere Wachstumsdilemma – „schrumpfen oder ignorieren?“

Das derzeitige ökonomische System, einschließlich der dazugehörigen Konsumkultur, ist nicht nachhaltig. Egal, ob wir ökologische, soziale oder finanzielle Nachhaltigkeit im Sinn haben – die Diagnose ist relativ unkontrovers. Irgendwas muss sich ändern. Es sind die Therapievorschläge, die Kontroversen erwecken. Entkopplung, d.h. Effizienz und eventuell Konsistenz, sagen die Einen. Degrowth, d.h. Schrumpfung, Suffizienz und Subsistenz, sagen die Anderen. Und dann gibt es noch solche, wie z. B. Jeroen van den Bergh oder mich, die meinen, dass Entkopplung zwar eine naive Utopie ist, aber degrowth/Schrumpfung auch kein sinnvoller Ansatz, weil auch hier BIP-Wachstum fetischisiert wird, bloß unter umgekehrten Vorzeichen. Ich setze an dieser Stelle voraus, dass Entkopplung zu unwahrscheinlich ist, als dass man vernünftigerweise alles auf ihre Karte setzen könnte, und möchte mich der Frage widmen: schrumpfen oder ignorieren?Weiterlesen »

Hoch lebe die Sharing Economy?

Teilen ist heutzutage in aller Munde. Angefangen mit der degrowth-Konferenz im letzten Herbst bis zu Business-Zeitschriften, in denen die Sharing Economy als einer der neuen, „grünen“ Trends gepriesen wird. Selten gibt es einen so breiten Konsens bei der Bewertung gesellschaftlicher Phänomene. Was einen sofort skeptisch machen sollte. Ist das überhaupt ein Konsens? Oder ist das Teilen der Einen nicht gleich der Sharing Economy der Anderen? Meinen Beobachtungen zufolge ist das Problem sogar etwas gravierender: „Teilen“ ist zzt. so en vogue, dass diese Bezeichnung sehr unterschiedlichen Phänomenen angehängt wird, die eigentlich auch sehr unterschiedlich zu bewerten sind. Und nicht unbedingt etwas mit Teilen zu tun haben.Weiterlesen »

Sollte man den Peak Oil fürchten?

Es gibt manchmal Texte, die hätte man als Blogger gern selbst geschrieben. Warum es viel zu viel Öl gibt von Jan Willmroth ist ein solcher Text (auf SZ.de) – eine knappe, schön sachliche, auf die gute Art ökonomische Analyse des Problems des angeblich zu befürchtenden Peak Oil. Hier ein Appetizer:

Irgendwann muss ein Zeitpunkt kommen, an dem die Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht, ab dann wird immer weniger Öl aus dem Boden gepresst. Die möglichen Folgen dieser Entwicklung haben Experten seit den Fünfzigerjahren immer wieder dramatisch beschrieben: Es komme zu einer globalen Versorgungskrise, weil der Ölbedarf bald nicht mehr gedeckt werden könne, zu Ressourcenkriegen um die letzten Quellen, zu einer globalen Energiekrise, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Die eifrigsten Pessimisten sagten gar einen Zusammenbruch der Industriegesellschaft voraus.

Das alles klingt so logisch, wie es in Wirklichkeit irrelevant ist. Teilweise ist es sogar völlig verkehrt. [mehr…]

Kapitalismus und Postwachstum – ein Widerspruch?

Man könnte sagen, es ist die Gretchen-Frage der Postwachstums-/degrowth-Bewegung: wie hat sie es mit dem Kapitalismus? Da diese Bewegung in sich äußerst heterogen ist, sind auch die Antworten sehr unterschiedlich. Da gibt es marxistisch angehauchte Aktivisten, oft Lateinamerikaner, die den Kapitalismus strikt ablehnen, z.B. unter der Fahne des Post-Extraktivismus. Andere scheuen die Begebung in die seichten Gewässer der (Anti-)Kapitalismus-Debatten und halten sich bezüglich der Gretchen-Frage explizit zurück (so z.B. Tim Jackson). Und es gibt sicherlich auch welche, die Kapitalismus und Postwachstum für vereinbar halten, auch wenn ich persönlich noch keinem über den Weg gelaufen bin. Aber: ist diese Frage überhaupt relevant? Und wie lautet denn die Antwort auf sie?Weiterlesen »

Einige Kontroversen zur Weihnachtszeit

Um das Weihnachtsloch zu überbrücken, bemüht man oft diverse best-of-Listen. Im ähnlichen Sinne möchte ich heute meine Meinung(en) zu ein paar kontroversen Themen zusammenfassen, über die ich auf dem Vorgänger dieses Blogs geschrieben habe. Gleichzeitig wäre damit die „ideologische Ausrichtung“1 des Letzteren skizziert, was vielleicht dem einen oder anderen Leser die Orientierung erleichtert.Weiterlesen »

Bevölkerungs(Post-)wachstum

I = PAT.

Diese simple Formel spiegelt das wider, was oft abwertend als Neomalthusianismus bezeichnet wird. Der (negative) Einfluss des Menschen auf die Biosphäre (impact, I) berechnet sich aus der Bevölkerungszahl (population, P), dem durchschnittlichen Wohlstandsniveau (affluence, A) sowie der durchschnittlichen Ressourcenintensität der Produktion von Waren und Dienstleistungen (technology, T). Da wir wissen, dass die Weltbevölkerung unaufhaltsam wächst, und dass der materielle Wohlstand in China, Indien, Brasilien und anderen bevölkerungsreichen Ländern ebenfalls wächst, sieht es für die Biosphäre schlecht aus. Oder?Weiterlesen »