Wachstumskritik ist immer auch Moderne-Kritik. Und Kritik an der Moderne muss zwar nicht, kann aber mitunter auch Kritik an liberaler Demokratie und der „offenen Gesellschaft“ (sensu Popper) sein. Dies trifft auch auf Degrowth zu, dessen Verhältnis zu liberaler Demokratie oft unklar ist. Doch wenn (berechtigte) Moderne-Kritik in Demokratieskepsis abrutscht, droht sie, sehr schnell ihre eigenen Ziele zu untergraben.Weiterlesen »
Kategorie: Philosophieren
Des misanthropischen Humanisten Zitat des Tages
Eine Moral, die auf das entgegenkommende Substrat geeigneter Persönlichkeitsstrukturen angewiesen bleibt, bliebe in ihrer Wirksamkeit beschränkt, wenn sie die Motive des Handelnden nicht auch noch auf einem anderen Wege als dem der Internalisierung erreichen könnte, eben auf dem Wege der Institutionalisierung eines Rechtssystems, das die Vernunftmoral handlungswirksam ergänzt. […] Die moralisch urteilende und handelnde Person muß sich dieses [Norm-] Wissen selbständig aneignen, verarbeiten und in die Praxis umsetzen. Sie steht unter unerhörten (a) kognitiven, (b) motivationalen und (c) organisatorischen Anforderungen, von denen sie als Rechtsperson entlastet wird.
Jürgen Habermas, Faktizität und Geltung
Skeptische Ökonomie 2017 (nicht nur) in Zahlen
1: Anzahl der Doktorgrade, die der Autor von Skeptische Ökonomie 2017 erlangt hat (auch: Anzahl der Bücher, die derselbe geschrieben hat)
3: so lange (in Jahren) gibt es Skeptische Ökonomie schon (seit 7.12.2014)
7: so lange gibt es sie, wenn man die englischsprachige Vorgängerin mitrechnet (seit September 2010)
33: so oft wurde hier 2017 kommentiert
33: Anzahl der 2017 auf Skeptische Ökonomie veröffentlichten Beiträge
11.773: so oft wurde Skeptische Ökonomie vergangenes Jahr aufgerufen
20.000: diese Gesamtzahl von Aufrufen knackte Skeptische Ökonomie im Dezember
Die populärsten neuen (d. h. 2017 verfassten) Beiträge waren:
- Warum es OK ist, Sci-Hub zu nutzen (obwohl es illegal ist)
- Marktmacht der Wissenschaftsverlage: drei kurze Anekdoten
- Misanthropischer Humanismus
- Energiewende – einige Klarstellungen
- Nun sag, wie hast du’s mit dem bedingungslosen Grundeinkommen?
- Afrikas Misere und Fair Trade
- Bioökonomie in einer begrenzten Welt
Dauerbrenner (die populärsten älteren Beiträge):
- Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit
- Logische Konsistenz, moralische Intuition und das Trolley-Problem
- Die sozialen Dilemmata des Umweltschutzes
Was sonst noch geschah:
- Mein Interesse an landwirtschaftlichen Themen ist deutlich gestiegen (z. T. wegen des Projekts, in dem ich zzt. arbeite und wohl noch ein paar Jahre arbeiten werde).
- Ich habe eine Reihe von Beiträgen gestartet, in denen ich aus meiner wissenschaftlichen Arbeit berichte.
- Ich habe angefangen, meine Beiträge zu gendern.
- Exploring Economics, an dessen Erstellung meine Wenigkeit beteiligt war, wurde ausgezeichnet.
- Die alte (aber laufend aktualisierte) Liste mit Leseempfehlungen wurde durch eine belletristische ergänzt.
Danke fürs Lesen!

Ist die Ökonomik demokratiefeindlich?
Der Mainstream-Ökonomik wird einiges angehängt – von Imperialismus bis zu Wachstumsfetischismus. In Deutschland streiten seit einigen Jahren das Netzwerk Plurale Ökonomik und der Verein für Socialpolitik darüber, welche dieser Vorwürfe inwiefern berechtigt sind. Ein „klassischer“ Zankapfel ist die vermeintliche Obsession der neoklassischen (also: Mainstream-)Ökonomik1 mit (allokativer) Effizienz – den Kritiker*innen zufolge vor allem zulasten distributiver (d. h. Verteilungs-)Fragen. Ich möchte mich einer etwas anderen Frage widmen, die ebenfalls mit der Effizienz-Fokussierung zusammenhängt: ist die (Mainstream-)Ökonomik demokratiefeindlich?
Moralische Signifikanz des Artensterbens: eine Diskussion
Ich komme in letzter Zeit nicht wirklich dazu, hier etwas neues zu schreiben; möchte aber zumindest eine sehr interessante Diskussion wiedergeben, die ich gestern auf Facebook hatte, die sich um die Frage der moralischen Signifikanz des Artensterbens drehte. Ausgelöst wurde sie durch den Washington-Post-Beitrag von R. Alexander Pyron, We don’t need to save endangered species. Extinction is part of evolution, den ich unterstützend geteilt habe. Hier eine anonymisierte und leicht bearbeitete Wiedergabe der Diskussion:Weiterlesen »
Grüne Gentechnik und die Grenzen repräsentativer Demokratie
Kürzlich war ich auf einer sehr interessanten Summer School zum Thema Genome Editing – Beyond the Precautionary Principle?, organisiert vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaft (TTN) der LMU München. In meinem Vortrag plädierte ich dafür, eine breite und offene gesellschaftliche Debatte über moderne Genome-Editing-Technologien (allen voran CRISPR/Cas) anzustoßen, bevor man mittels „science-based regulation“ die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen stellt. Eine ähnliche Argumentation (in verkürzter Form) verwendete ich vor ein paar Tagen in einer Diskussion auf dem Blog von Bauer Willi (hier) – hier wie da stieß ich auf teilweise Ablehnung, die u. a. aus einem meines Erachtens problematischen Demokratie-Verständnis resultiert. In der Tat bietet die grüne Gentechnik eine gute Gelegenheit, über das Wesen der Demokratie nachzudenken.
Pascal’sche Wette um freien statt um Gottes Willen
Ist das, was wir tun, Resultat freier, autonomer Entscheidungen? Oder tun wir einfach das, worauf wir biologisch programmiert sind? Sind das überhaupt einander ausschließende Alternativen? So oder so ähnlich kann man eines der kompliziertesten (und vermutlich auch müßigsten) Probleme der Philosophie formulieren – die Frage nach dem freien Willen bzw. das Determinismus-Problem.Weiterlesen »
Schützenswert ist das Individuum, nicht das Kollektiv
Seit einiger Zeit – spätestens, seit ich mich als Anthropozentriker deklariert habe – habe ich mir den Kopf zerbrochen darüber, wie dies mit meinem ethisch motivierten Vegetarismus in Einklang zu bringen ist. Die Lösung des Problems stellte sich als relativ banal heraus, hat aber interessante Konsequenzen auf anderen Gebieten: es geht letztlich um die Frage, ob Individuen oder Kollektive schützenswert sind.Weiterlesen »
Misanthropischer Humanismus
Kann man gleichzeitig Menschen gegenüber prinzipiell abgeneigt sein und trotzdem humanistische und liberale Positionen vertreten? Mit anderen Worten: kann man ein misanthropischer Humanist sein? Oder ist dies bloß ein Oxymoron?
Deontologie, Konsequentialismus und der Rassismus der AfD (& Co.)
Einmal wieder gab es einen terroristischen Anschlag in einer europäischen Stadt. Einmal wieder zeigten sich große Teile der Bevölkerung erstaunlich vernünftig. Einmal wieder wurde dennoch darüber hinweg gesehen, dass anderswo terroristische Anschläge viel häufiger stattfinden, dass nicht nur hierzulande Menschen von Fanatikern getötet werden. Und einmal wieder erdreisten sich die AfD, die CSU und ihresgleichen, einen Anschlag dazu zu nutzen, eine Schließung der Grenzen zu fordern. Begründet wird das wie üblich – „wir Europäer“ seien in Gefahr, diese Gefahr sei abzuwenden, und das sei am besten zu erreichen, indem man die Grenzen schließt oder zumindest den Zufluss von Flüchtlingen sehr stark reguliert… Doch eigentlich geht es um blanken Rassismus. Nicht mehr und nicht weniger.Weiterlesen »