Wie stark lassen wir uns in unserer Meinung von empirischen Befunden bzw. Argumenten mit empirischer Basis beeinflussen? Und wie ist es möglich, dass verschiedene Menschen dieselben empirischen Daten so unterschiedlich interpretieren?
Kategorie: Ökonomische Gedanken
BIOECON 2016: Naturschutz für wen?
Die zweite Keynote Speech der BIOECON-Konferenz wurde von Amy Ando von der University of Illinois gehalten. Ich muss gestehen, dass mir der Name vorher völlig unbekannt gewesen war – ihr Vortrag war aber vermutlich der interessantere der beiden Keynotes. Es ging in ihm um eine Reihe von lose miteinander zusammenhängenden Fragestellungen, die sich aber um die Frage drehten: welche Rolle kann und sollte Ökonomik im Kontext des Naturschutzes spielen?
BIOECON 2016: Bevölkerungswachstum und natürliche Ressourcen
Eine der schönen Sachen am Wissenschaftler-Dasein sind die Konferenzen (obgleich sie natürlich eine gerade für Umweltforscher unangenehme Kehrseite haben – man muss zu ihnen allzu oft fliegen). Einer der Gründe dafür ist, dass man sich Vorträge von klugen Menschen anhören kann – und nebenbei erstaunt erfahren, dass auch die besonders angesehenen unter ihnen in aller Regel normale Menschen sind. Gerade war ich auf einer solchen Konferenz, der BIOECON 2016 in Cambridge. Es gab dort zwei Keynote Speeches, die beide eine Zusammenfassung verdienen. Zunächst: Partha Dasgupta und „reproduktive Externalitäten“.
Wie ein aufrichtiges sozialwissenschaftliches Buch beginnen sollte
This work has two main flaws, and one possible virtue. I am acutely aware of the fact that I am stretching my competence thinly over a large number of areas. It is not just that my treatment of the issues is selective: my knowledge is based on what may well be, in some cases, idiosyncratically chosen, unrepresentative, or dated sources. Although I could have gathered more, and more accurate, information, this would not have made much of a difference for the main purpose of the book, which is to sketch a framework for the study of the in-kind allocation of goods and burdens.
Unfortunately, that framework turned out to be messy and ugly. I have been unable to respect the standards of simplicity and parsimony that many readers will feel they have a right to expect. It may be that I just lack the ability or the inclination to cut through the bewildering surface variety of local justice phenomena and find the underlying principles that would bestow intelligibility on them all. Or it might be that there are no such principles to be found, and that the messiness is inherent in the object. Most probably, there is some truth in both hypotheses.
I hope that some readers, nevertheless, will share my delight and exhiliration in observing the endless variety and inventiveness of human institutions. The details are not incidental to the story I am telling: they are its essence. I am sure I could have told the story better, and perhaps a better sort of story could have been told; but I hope there may still be some instruction and entertainment in what follows.
Jon Elster, Local Justice: How Institutions Allocate Scarce Goods and Necessary Burdens (1992), S. vii–viii
Das Henne-Ei-Problem der Entwicklungspolitik
Ein kürzlich angesehener Vortrag des Schweden Hans Rosling hat mich an ein Problem erinnert, das seit Jahrzehnten entwicklungspolitische Debatten bestimmt – gewissermaßen ein Henne-Ei-Problem der Entwicklungspolitik. Was kommt zuerst/sollte zuerst kommen: Steigerung des Einkommens oder Steigerung in anderen Wohlstandsparametern? Wohl wissend, dass „the plural of anecdote is not data“, würde ich gern ein paar Belege vorstellen, die die These stützen, dass die Steigerung des Einkommens keine Voraussetzung für die Steigerung des breiter verstandenen Wohlstands ist, entgegen den üblichen Empfehlungen internationaler Organisationen wie die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds.
Für einen flexiblen und kontext-sensiblen Homo oeconomicus
Der Homo oeconomicus ist der Albtraum von Kritikern der Mainstream-Ökonomik. Er sei realitätsfern, maskulin, grundkapitalistisch, unethisch, amoralisch, myopisch und einiges mehr. Dieser der Paläoanthropologie unbekannte Vertreter der Hominiden gilt wahlweise als das Verhaltensmodell oder das Menschenbild der Mainstream-Ökonomik. Kaum ein Element des Theoriegebäudes Letzerer gilt in den Augen der Kritiker mehr abgeschafft als der arme Homo oeconomicus. Zu Recht?Weiterlesen »
Was Kapitalismus und neoklassische Ökonomik gemeinsam haben
Was haben Kapitalismus und neoklassische Ökonomik gemeinsam? Sie sind Musterbeispiele dafür, wie man Kritik vereinnahmt.Weiterlesen »
Links reden, rechts handeln und soziale Dilemmata
Ich war kürzlich recht überrascht, als ich einen kurzen Text des Ökonomen Robert Shiller zur Flüchtlingskrise las, ohne mich aufregen zu müssen. Nun habe ich bei den Krautreportern einen epistolären Austausch zwischen dem Soziologen Armin Nassehi und dem Vertreter der Neuen Rechten Götz Kubitschek gelesen. Eine interessante Lektüre, obgleich ich wohl nie werde verstehen können, wie man darauf kommen kann, dass „Die Gruppenexistenz des „Wir“ im nationalen und damit auch ethnisch gebundenen Sinn […] unhintergehbar“ sei (Kubitschek). Aber dazu vielleicht ein andermal (bis dahin verweise ich auf das Buch Identity and Violence von Amartya Sen). Etwas Anderes fiel mir auf, es war ein Punkt, bei dem sich die Herren ausnahmsweise einig waren. Und der mich an ein altes ökonomisches Konzept erinnerte, das eine andere Interpretation des betreffenden Problems erlaubt.Weiterlesen »
„You cannot manage what you cannot measure“?
„You cannot manage what you cannot measure“. Der Autor dieser Worte heißt Pavan Sukhdev, ist ehemaliger Manager der Deutschen Bank und derzeit Koordinator und Sprecher der TEEB-Initiative. TEEB steht für The Economics of Ecosystem and Biodiversity und ist ein recht umstrittenes internationales Projekt. Für manche ist es der Versuch zu zeigen, wie ökonomische Bewertung der Natur sinnvollerweise funktionieren kann. Für andere ist es die Quelle alles Bösen bzw. Terrible Economics, Ecosystems and Banking. Und die Behauptung, Naturschutz käme ohne Quantifizierung nicht aus, stößt vielen Naturschützern besonders sauer auf. Man reduziere die Natur auf zählbare, klar voneinander abgrenzende Einheiten, womit ihre inhärente Komplexität verkannt werde. Zudem sei die Quantifizierung der erste Schritt in der vermeintlich logisch zwingenden Kette Quantifizierung → Monetarisierung → Kommodifizierung → Privatisierung → Zerstörung.Weiterlesen »
Stop Killing Economic Valuation
Unter dem etwas reißerischen Titel verbirgt sich mein Kommentar zu einer von der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichten Kritik der ökonomischen Bewertung von Frau Jutta Kill. Leider ignorierte Frau Kill alle kritischen Kommentare in ihrer anschließenden Antwort und bezog sich lediglich auf die wohlwollenden… Wie dem auch sei, hier mein Kommentar nochmal, für die künftigen Generationen:
Let us start with the positive. Jutta Kill is right in pointing out that we are facing daunting ecological and social challenges that hit “places where those affected have contributed least to causing the crisis and where local livelihoods and ways of life are closely tied to – even an integral part of – the nature that is being destroyed.”Weiterlesen »