Nein, dies wird nicht ein weiterer Text über TTIP, Chlorhühnchen und Schiedsgerichte sein. Zumindest nicht direkt. (Sorry for disappointing you.) Weder ist meine Expertise hier ausreichend, noch fände ich es besonders spannend, über ein Thema zu schreiben, mit dem sich alle Medien immer und immer wieder beschäftigen (zumindest wenn nicht gerade die Lokführer wieder streiken oder die Herren Müller-Wohlfahrt und Guardiola uns mit ihren Auseinandersetzungen bescheren). Andererseits geht es mir hier um eine allgemeine Fragestellung, die für die TTIP-Debatte natürlich Konsequenzen hat: ist freier Handel generell eine gute Sache? Die Antwort ist, denke ich, etwas komplizierter als es manchmal scheint (sonst gäbe es ja keinen Grund, diesen Beitrag zu lesen).Weiterlesen »
Kategorie: Ökonomische Gedanken
Eine wohlfahrtsökonomische Analyse des Radfahrens (mit Augenzwinkern)
Als Radfahrer fühlt man sich des Öfteren benachteiligt: während die Autofahrer in ihren sicheren, vor Wind und Wetter geschützten Stahlpanzern sitzen und entspannt Musik hören können, muss man als Anhänger des nicht-motorisierten Individualverkehrs mit Wind kämpfen, Nässe ertragen, sich an Falschparkern und Kleinbaustellen vorbeischlängeln und läuft immer Gefahr, dass man bei Unfällen als der Hauptbeschädigte dasteht, unabhängig davon, ob sie selbstverschuldet sind oder nicht. Besonders schnell ans Ziel kommt man auch nicht unbedingt, was einem besonders bei schlechtem Wetter bewusst wird. Dabei ließe es sich einiges machen, die öffentlichen Güter in Form von Radinfrastruktur lassen viel zu wünschen übrig. Gleichwohl lässt es sich sehr gut zeigen, dass Radfahren als Alternative zum motorisierten Individualverkehr eine ganze Reihe positiver externer Effekte generiert. Die allgemeine Benachteiligung von Radfahrern ist daher wohlfahrtsökonomisch betrachtet ein Marktversagen, dass der Staat zu korrigieren hat.Weiterlesen »
Was ist ökonomische Bewertung eigentlich (nicht)?
In meiner Doktor-Arbeit, die ich am Department Ökonomie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig schreibe, befasse ich mich mit der Frage, wie man mit dem „Bewertungsobjekt“ Biodiversität sinnvoll umgehen kann. Es geht also um ökonomische Bewertung von Umweltgütern im Allgemeinen bzw. von biologischer Vielfalt im Speziellen. Eine der interessantesten Fragen, auf die ich dabei bisher gestoßen bin, ist gleichzeitig die grundlegendste: Was ist ökonomische Bewertung eigentlich? Was macht sie aus? Wodurch unterscheidet sie sich von nicht-ökonomischen Bewertungen? Was heißt überhaupt „ökonomisch“?Weiterlesen »
Die (hier) omnipräsente ökonomische Bewertung
Ich habe vor einer Weile zusammen mit einem Kollegen angefangen, an einem theoretisch-konzeptionellen Paper über (umwelt-)ökonomische Bewertung zu arbeiten. Das Thema ist höchstspannend, es stellte sich aber gleichzeitig heraus, dass viele grundlegende Fragen offen sind – und dass wir auf viele keine klaren Antworten in der Standardliteratur finden. Wir müssen sie uns selbst erarbeiten. Die ist der Grund, warum ich in letzter Zeit zunehmend in teils sehr theoretische Gedanken über die ökonomische Bewertung abdrifte (angefangen mit einem allgemeineren Beitrag, über die Frage nach den ethischen Grundlagen, bis hin zum Problem der Substituierbarkeit und der Dichotomie Tauschwert-Nutzwert). Es wird auch eine Weile so bleiben. Wahrscheinlich fange ich irgendwann an, auch Wohlfahrtsökonomik einzuflechten. Be warned: andere Themen sind nicht ausgeschlossen, aber für eine Weile dürfte die ökonomische Bewertung das Geschehen dominieren.
Da es für mich ein gewisser Suchprozess ist, die Suche nach einem konsistenten und umfassenden Bild davon, was ökonomische Bewertung ist, bin ich dankbar für jegliche kritischen Kommentare zu meinen Ausdünstungen.
Erfasst ökonomische Bewertung Nutzwerte?
Unter den vielen Kritikpunkten an der umweltökonomischen Bewertung findet man unter anderem den Hinweis, dass sie nur Tauschwerte (d.h., Preise) ermittelt, nicht aber Nutzwerte, die die tatsächliche Bedeutung eines Gutes für den Menschen angeben. Gleichwohl hört oder liest man gelegentlich die Behauptung mancher Ökonomen, das Konzept des Ökonomischen Gesamtwertes (Total Economic Value, TEV), auf dem die ökonomische Bewertung meistens basiert, enthalte doch Nutzwerte. Wer hat nun Recht?Weiterlesen »
Was ist ein Wal wert? Oder ein menschliches Leben?
Darf man den ökonomischen Wert eines Wals oder eines menschlichen Lebens ermitteln? Kann man das überhaupt? Was ist mit dem ökonomischen Wert der gesamten Biosphäre? Ein gewichtiger Kritikpunkt an der ökonomischen Bewertung ist, dass sie genau das tue – sie hänge Sachen einen Preisschild an, die keinen haben dürfen. Doch ist das wirklich ökonomische Bewertung? Kann sie tatsächlich Aussagen über den Preis eines individuellen Wals, eines individuellen menschlichen Lebens oder der Biosphäre in ihrer Gesamtheit liefern?Weiterlesen »
Unwissen und der Wert von Biodiversität
„Biodiversität“ ist ein Begriff, der eine unglaubliche Karriere gemacht hat. Gibt es ihn doch erst seit 1986; gleichwohl stolpert man im Bereich der Umweltforschung und -politik dauernd über ihn. Oft wird dabei vom „Wert der Biodiversität“ gesprochen und geschrieben, wobei keine Einigkeit bezüglich der Frage herrscht, worin dieser eigentlich besteht. Dies ist der Ausgangspunkt meiner Doktorarbeit – auch wenn sie vor allem die Frage nach dem ökonomischen Wert von Biodiversität beantworten soll, musste ich mich durch einen sehr multidisziplinären Wust durcharbeiten und versuchen, ihn irgendwie zu systematisieren. Ergebnis: Der Wert von Biodiversität hat seine Hauptquelle in unserem Unwissen. Und vieles, was man sonst über ihn liest und hört, ist Blödsinn.Weiterlesen »
Werte oder Zahlungsbereitschaften?
Cecil Graham: What is a cynic?
Lord Darlington: A man who knows the price of everything, and the value of nothing.
Cecil Graham: And a sentimentalist, my dear Darlington, is a man who sees an absurd value in everything and doesn’t know the market price of any single thing.
Die ökonomische Bewertung bzw. Inwertsetzung von Naturgütern (oder auch dem menschlichen Leben) wird häufig kritisiert als unmoralisch bzw. wichtige „moralische Werte“ außer Acht lassend. Wie kürzlich in einem Zeitungskommentar ausgedrückt, „wer mit Moral rechnet, braucht mit Moral nicht zu rechnen“. Ist diese Kritik denn gerechtfertigt?Weiterlesen »
Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit
Wir Umweltökonomen sind schon eine seltsame Spezies. Wir bepreisen die Natur. Wir betrachten sie als ein Bündel von Gütern und Quelle von Dienstleistungen bzw. als Naturkapital. Wir wägen materiellen Nutzen gegen die so vulgarisierten „Naturwerte“ im Sinne aggregierter Zahlungsbereitschaften ab, um den gesellschaftlichen Nettonutzen verschiedener Projekte „objektiv“ zu erfassen. Wir definieren Nachhaltigkeit auf eine seltsame Art und Weise als einen über die Zeit nicht-abnehmenden Konsumfluss. Und wir diskontieren bzw. zinsen auch noch ab, wodurch wir die Interessen künftiger Generationen „verschwinden lassen“. Haben wir sie denn noch alle?Weiterlesen »
Eine Lanze für den ökonomischen Imperialismus
Meine ersten beiden Beiträge auf diesem Blog (in seiner deutschsprachigen Version), die beide ursprünglich auf dem Wissenschaftsblog des UFZ veröffentlicht wurden, weisen eine Gemeinsamkeit auf. In beiden brach ich eine Lanze für Konzepte, von denen ich selbst nicht vollends überzeugt bin, die Kritik an welchen ich aber für völlig überzogen halte. Zeit, eine weitere Lanze zu brechen, diesmal für den „ökonomischen Imperialismus“.Weiterlesen »