Die unsichtbaren Polen

Ich habe kürzlich einen recht negativ gestimmten Text über meine sogenannte Heimat geschrieben, mit der ich mich kaum noch identifizieren kann. Nun bin ich heute auf einen Text in der taz gestoßen, der eine völlig andere Sichtweise bietet. Ich muss gestehen, dass ich die Probleme, die die Autorin schildert, nicht wirklich nachvollziehen kann – vielleicht eben, weil ich mich weder für „deutsch“ noch für „polnisch“ halte und eine derartige Identität auch gar nicht wichtig finde… Wie dem auch sei, der taz-Text ist auf jeden Fall lesenswert:

Wer Strebermigranten studieren will, der kann uns als Musterfamilie nehmen. Meine Eltern, beide Ärzte, bekamen Arbeit, wir lernten Deutsch, mein Vater stieg auf, meine Mutter weniger, wir bauten ein Haus. Wir fuhren erst einen Mazda, dann einen BMW, dann einen Chrysler, und später eine Limousine von Audi. Ich besuchte ein humanistisches Gymnasium, lernte Klavier und Ballett, mit Polen wollte ich erstmal nichts zu tun haben, ich ging nach Paris und Rom.

Erst viel später, als ich erwachsener wurde, fielen sie mir auf: all die Polen in Deutschland. Meine Generation, Anfang dreißig, die im Kindesalter mit ihren Eltern eingewandert war. Top integriert, erfolgreich, sie wirkten fast deutscher als die Deutschen. [mehr]

Nationalparke vs. Biosphärenreservate: Welche Natur Natur sein lassen?

Ich kam kürzlich aus dem Feld zurück, wo ich in drei Fokusgruppen erfahren wollte, was Menschen im Thüringer Wald von Biodiversität und ihrem Wert halten. Als Aufhänger für die Diskussionen nutzte ich Vorschläge, im dortigen Biosphärenreservat neue Flächen unter Totalschutz zu stellen, um die Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu erfüllen. Das Credo der Bewohner des Reservats: Naturschutz und biologische Vielfalt, ja; Totalschutz, nein. Damit widersetzen sich diese Menschen nicht nur der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie, sondern auch dem obersten Grundsatz des deutschen Naturschutzes: „Natur Natur sein lassen.“Weiterlesen »

Brauchen wir Utopien?

Les utopies apparaissent comme bien plus réalisables qu’on ne le croyait autrefois. Et nous nous trouvons actuellement devant une question bien autrement angoissante: Comment éviter leur realisation définitive? Les utopies sont réalisables. La vie marche vers les utopies. Et peut-être un siècle nouveau commence-t-il, un siècle où les intellectuels et la classe cultivée rêveront aux moyens d’éviter les utopies et de retourner à une société non utopique, moins parfaite et plus libre.

[dt.] Utopien erscheinen realisierbarer als je zuvor. Wir finden uns mit einer neuartigen, besorgniserregenden Frage konfrontiert: Wie sollen wir ihre endgültige Verwirklichung verhindern? Utopien sind verwirklichbar. Das Leben strebt ihnen entgegen. Und vielleicht wird ein neues Jahrhundert kommen, eines, in dem Intellektuelle und die Bildungsschicht darüber nachdenken werden, wie man Utopien verhindern und zu einer nicht-utopischen Gesellschaft zurückkehren kann, weniger perfekt und dafür freier.

Nikolai Berdjajew

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Meine sogenannte „Heimat“

Ich verbrachte mehr als die Hälfte meines bisherigen Lebens jenseits der Oder-Neiße-Grenze. In dem Land, in dem gerade eine Sichwahl zwischen Konservativ und Sehr Konservativ stattfand, aus der der neue Präsident Andrzej Duda hervorging. Da ich mit meiner tendentiell negativen Einstellung zu meiner „Heimat“ oft auf Verwunderung stoße und Schwierigkeiten habe, sie spontan zu begründen, nehme ich die Präsidentschaftswahl zum Anlass, mich mit dem Thema in Ruhe zu beschäftigen.Weiterlesen »

Der Erziehungsberechtigten-Effekt

Das geht ganz langsam, Jan, das merkst du gar nicht, Stück für Stück. Irgendwann willst du auch die rostige Karre loswerden, willst ’n Auto haben, das zuverlässig ist, ’ne Klimaanlage hat, Garantie. Dann heiratest du, hast ’ne Familie, willst ihr was bieten, kaufst ’n Haus, dann haste Kinder, die müssen zur Schule gehen, Ausbildung, das kostet Geld. Sicherheit. Dann machst du Schulden ohne Ende, und um die Schulden abzuzahlen, musst du Karriere machen. Um Karriere machen zu können, musst du so denken wie die anderen, und irgendwann ertappst du dich dabei, dass du in der Wahlkabine stehst und dann… für die CDU das Kreuz machst.

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Warum ich Greenpeace trotz allem gut finde

Ich habe schon des Öfteren meine „Greenpeace-Vergangenheit“ erwähnt, wie auch die Tatsache, dass ich die Positionen dieser Organisation zu vielen Themen inzwischen nicht mehr teile und sie mitunter dogmatisch bzw. dämagogisch finde. Gleichwohl heißt das nicht, dass ich ein Greenpeace-Gegner geworden wäre. Die Organisation tut unterm Strich viel Gutes: das neuliche Einlenken von Aldi in Sachen Gifte in Kleidung ist eines von vielen Beispielen.Weiterlesen »

Mein kleiner Beitrag zur deutschen Integrationsdebatte

In letzter Zeit kam die sog. Integrationsdebatte in Deutschland mal wieder hoch. Pegida sei dank(?). Doch diese so wichtige öffentliche Debatte hat schon immer eine wesentliche Schwachstelle: Integration wird sehr einseitig betrachtet, als „Aufgabe“ der Immigranten unter Zuhilfestellung des Staates. So einfach ist die Sache aber nicht. Integration ist kein unidirektionaler Prozess, sondern erfordert Anstrengungen bei allen beteiligten Akteuren.Weiterlesen »

Grüne Politik = Öko-Diktatur?

Gegner der „Grünen“ (womit ich nicht nur die Partei, sondern auch die Umweltbewegung als Ganzes meine) werfen ihnen häufig vor, eine „Öko-Diktatur“ errichten zu wollen. Ich möchte an dieser Stelle nicht vordergrundig den empirischen Wahrheitsgehalt dieses Vorwurfs untersuchen, sondern es interessiert mich vielmehr die Frage: kann man gleichzeitig liberal und „grün“ sein?

Deutschland auf dem Weg in die Öko-Diktatur?

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