5 Jahre Skeptische Ökonomie

Gerade eben wurde mir von WordPress mitgeteilt, dass ich seit inzwischen genau 5 Jahren einen Blog bei ihnen habe. Da habe ich mich an meine Alma mater erinnert gefühlt, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die sich als 1502 gegründet versteht (Gründungsjahr der Universität Wittenberg), obwohl in Wittenberg kein regulärer Universitätsbetrieb stattfindet und die Geschichte der Uni von 1502 bis heute keineswegs stetig verläuft (Interessierten empfehle ich den Wikipedia-Eintrag zur MLU). So betreffen die 5 Jahre auch bei mir sowohl den alten englischen Blog als auch den aktuellen deutschen. Immerhin gab es bei mir keinen klaren Bruch und thematisch einen mehr oder minder fließenden Übergang zwischen den beiden – in diesem Sinne bin ich der MLU voraus. Was macht man denn so anlässlich des fünften Blog-Geburtstags? Man veröffentlicht eine Liste von Beiträgen, auf die man besonders stolz ist (steht zumindest so im Bloggen für Dummies-Guide, gleich hinter „Auf der Suche nach einem guten Titel? Suche Inspiration auf bild.de“). Also dann:Weiterlesen »

Eine Sozialwissenschaft oder viele Sozialwissenschaften?

Vor ein paar Tagen hörte ich mir am UFZ einen Vortrag über den Klimaschutzbeitrag an (der kurz danach begraben wurde). In der Diskussion kam die Frage der „Vorreiterrolle“ Deutschlands in der Klimapolitik auf. Einer der Kollegen – ein Professor und gestandener Klimaökonom – sagte sinngemäß, dass die Wirksamkeit der „Vorreiterrolle“ ökonomisch nicht erklärbar sei (was wohl stimmt). Es könne eine politikwissenschaftliche Erklärung geben, aber eine ökonomische gebe es nicht. Damit schien dieser Aspekt der Diskussion für ihn abgeschlossen. Was ich nicht nachvollziehen kann. Ist es wirklich relevant, welche sozialwissenschaftliche Disziplin einen Sachverhalt erklären kann und welche nicht? Anders formuliert: Gibt es eine Sozialwissenschaft, die nur in verschiedene Subdisziplinen eingeteilt ist, welche sich mit verschiedenen Teilaspekten gesellschaftlichen Lebens befassen? Oder gibt es vielmehr mehrere Sozialwissenschaften, die die Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven betrachten und miteinander unvereinbar sind?Weiterlesen »

Initiative Neue Plurale Ökonomik Halle/Saale

Meine Damen und Herren,

mit Freude teile ich Ihnen mit, dass in Halle eine Lokalgruppe im Netzwerk Plurale Ökonomik gegründet wurde;-) Diese hat nun auch eine Internetseite: https://blogs.urz.uni-halle.de/pluraleoekonomik/ Bisher befindet sich diese Seite noch im Aufbau, sie wird aber bald aktuelle Informationen über die Aktivitäten der Initiative Neue Plurale Ökonomik Halle/Salle enthalten.

Eine Bemerkung noch zum Namen, für die ich gern Heinrich Böll paraphrasieren würde (man findet das ursprüngliche Zitat auf der ersten Seite von Die verlorene Ehre der Katharina Blum): Sollten sich bei dem Namen gewisser Organisationen Ähnlichkeiten mit dem Namen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.

Die Leiden des jungen VWLers

Aus meiner Erfahrung von insgesamt 6 Jahren VWL-Studium (3,5 Jahre Bachelor im Nebenfach, 2,5 Jahre Master im Hauptfach) kann ich nur verstehen, wieso es immer mehr Rufe nach einer pluralen oder, wie manche es nennen, postautistischen Ökonomik gibt. Und auch wenn ich finde, dass die Kritik an der sog. „Mainstream-Ökonomik“ oft verfehlt ist (wie z. B. in diesem Fall), so gehe ich davon aus, dass das Gefühl, im Studium viel zu wenig Interessantes/Wichtiges gelernt zu haben, nicht nur mein Problem oder das meiner alma mater ist. Daher denke ich, dass mein folgender „Leidensbericht“ auch auf WiWi-Institute vieler anderer Unis übertragbar ist.Weiterlesen »

GFSF: Gute Forschung, schlechte Forschung

Als ich vor ein paar Jahren den Essay „The Presumptions of Science“ von Robert L. Sinsheimer las, war ich begeistert. Da schrieb mir jemand aus der Seele: bestimmte Arten von Forschung, insbesondere die Entwicklung bestimmter Technologien, sollten unterlassen werden, weil sie absehbare negative Folgen für die Gesellschaft haben (könnten). Beispiele von Sinsheimer waren v. a. Gentechnik und Atomkraft, heutzutage wären zusätzliche Kandidaten bspw. Geo-Engineering, CCS oder synthetische Biologie. Es mag sein, dass Sinsheimer Recht hatte, dass bestimmte Arten von Forschung sich als „schlecht“ erweisen. Dennoch würde uns ein Versuch, seine Vorschläge praktisch umzusetzen – die auch immer wieder in unterschiedlichen Kontexten so ähnlich gemacht werden – vor schwer überwindbare Praktikabilitätsprobleme stellen.Weiterlesen »

Losing humanity and other questions science doesn’t ask

Ein sehr lesenswerter Text über die Notwendigkeit, als Wissenschaft(ler) vor schwierigen Fragen, auch normativen Fragen nicht zu scheuen. Mit einem Verweis auf einen großartigen Film am Ende;-)

Ideas for Sustainability

By Joern Fischer

Prompted by a recent visit to the US, I am once again wondering what kind of science we ought to be doing for it to be of use in the sense of creating a better, more sustainable world. A woman in the street yesterday wanted me to (financially) support an anti-bullying campaign. She explained to me all the wrongs of school bullying, as well as the substantial legal costs that needed to be covered to fight it. While her cause was worthwhile the whole interaction left me somewhat befuddled – the insanity of appealing to the good will of a few to fix what is systemically messed up seemed almost unbearably pathetic; and a theme that to me (as an outside observer) seems to run through much of the US in particular. Electric cars, good-natured philanthropists and coffee sleeves made of “85% post-consumer fiber” will not fix…

Ursprünglichen Post anzeigen 998 weitere Wörter

Über den Wert von Wissenschaft (insbesondere Doktorarbeiten)

Wie bereits im letzten Beitrag indirekt angedeutet, hat man es als Doktorand nicht leicht. Insbesondere, wenn man nicht nur wissenschaftlichen, sondern auch gesellschaftlichen Anspruch hat. Das Problem lässt sich recht leicht zusammenfassen: „Wen interessiert eigentlich, was ich da in meiner Diss so mache?“ Da bearbeitet man Themen wie die ökonomische Bewertung von Biodiversität, den Einfluss der Flurbereinigung auf Ökosystemfunktionen oder Umweltsteuern im Kontext der Wasserrahmenrichtlinie und fragt sich immer wieder zweierlei: sind diese i. d. R. sehr theoretischen Fragestellungen für die Forschung relevant? Und tun sie der Umwelt bzw. der Gesellschaft überhaupt etwas Gutes?(da ich v. a. mit Sozialwissenschaftlern zu tun habe und selbst einer bin, sind die Beispiele sozialwissenschaftliche Dissertations-Themen – ich vermute aber, dass meine hier geäußerten Gedanken auf naturwissenschaftliche Dissertationsvorhaben gleichermaßen zutreffen) Mein heutiger Beitrag ist teils als Selbsttherapie, teils als Ermutigung für meine „Mitstreiter“ am UFZ gedacht.Weiterlesen »