Die Grenzen der Effizienz

Wenn es einen Begriff gibt, der die ökonomische Perspektive (zumindest im Sinne der Mainstream-Ökonomie) besonders gut zusammenfasst, dann ist es wohl „Effizienz“. Und genau dieses Konzept wird der Ökonomie oft zum Verhängnis, wenn ihr vorgeworfen wird, dass sie die Effizienz zum allein relevanten Kriterium privater wie öffentlichter Entscheidungen erhebe. Doch eigentlich beruht dieser Vorwurf auf einem Missverständnis, und zwar sowohl seitens der Kritiker als auch der Ökonomen selbst.Weiterlesen »

Economists vs. Economics by Dani Rodrik – Project Syndicate

Criticism of economics – for hubris, neglect of social goals beyond incomes, excessive attention to formal techniques, or failure to predict major developments such as financial crises – has usually come from outsiders, or from a heterodox fringe. But lately it seems that even the field’s leaders are unhappy.

Quelle: Economists vs. Economics by Dani Rodrik – Project Syndicate

Der… äh… Nobelpreis 2015

Alle Jahre wieder werden in Stockholm und Oslo die Nobelpreise vergeben. Jeder einzelne von ihnen ist umstritten, doch keiner so sehr (OK, außer vielleicht dem Friedensnobelpreis) wie der, der eigentlich keiner ist: der Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne. Der Öffentlichkeit bekannt als der „Wirtschaftsnobelpreis“. Man kann ihn für sinnvoll halten oder nicht, aber es lässt sich nicht leugnen, dass er mit einem riesigen Prestige verbunden ist. Oft lässt es sich zum Beispiel beobachten, dass mit dem Preis ausgezeichnete Ökonomen plötzlich anfangen, sich mehr der Publizistik zu widmen (besonders markante Beispiele der jüngeren Vergangenheit: Joseph Stiglitz und Paul Krugman) – im wissenschaftlichen Bereich haben sie ja nachweislich „ausgesorgt“. Jedes Jahr stellt sich also die Frage: an wen sollte der Preis gehen? Hier meine eher unrealistischen Vorschläge.Weiterlesen »

Problematische Begriffe des Naturschutzes, Teil 2: „(ein)heimisch“

Vor einem knappen Jahr nahm ich an einer BfN-Tagung teil, die auf der wunderschönen Insel Vilm bei Rügen stattfand. In einem der Vorträge ging es um Einflüsse von Stadteffekten auf Kleinsäugergemeinschaften. In diesem ging es unter anderem darum, wie sich Mäuse wohl in der Nähe der „Neophyten“ Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) und Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) fühlen. In der Diskussion, in der ich die dahingehende Interpretation der Ergebnisse anzweifelte, dass die Exoten sich negativ auf Mäuse auswirkten, konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Ergebnis bereits vorher feststand und durch die Studie nur noch bestätigt werden sollte – und zwar, dass Neophyten, d. h. „nichtheimische“ Pflanzen, schlecht sind.

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Der Fluch des kleineren Übels oder Alles Leben ist Abwägen

Es gibt da eine Buchreihe, die außerhalb Polens eher wegen des auf ihr basierenden Computerspiels bekannt ist (sie wurde auch verfilmt, aber der Film ist grottenschlecht). Abgesehen davon, dass die Bücher der Reihe zu meinen absoluten Favoriten gehören, hat die Geschichte ein „psychologisches Leitmotiv“, an das ich mich in letzter Zeit immer wieder erinnern muss – das Prinzip des „kleineren Übels“. Die Hauptfigur weigert sich konsequent, in Konflikten, die sie eigentlich nicht betreffen, sich auf eine Seite zu stellen, muss aber immer wieder feststellen, dass dies nicht möglich ist – sie muss sich jeweils für das kleinere der beiden zur Verfügung stehenden Übel entscheiden, so sehr ihr das zuwider ist. Im Grunde ist die Entscheidung zwischen kleineren und größeren Übeln eine pessimistische Version des Grundprinzips der Ökonomik, das man, Karl Popper paraphrasierend, mit „Alles Leben ist Abwägen“ umschreiben könnte.Weiterlesen »

Über böse Flugreisen (nach D.C.), SCC und IAMs

Ich stehe gerade vor einem Dilemma, vor dem ich im Laufe meiner „wissenschaftlichen Karriere“ früher oder später stehen musste. Es wird von mir verlangt, dass ich in den 3 Jahren meiner Dissertation zumindest einmal eine internationale Konferenz besuche. Im jetzigen Stadium der Arbeit wäre das auch eine durchaus gute Idee. Problem? Die Konferenz, die am ehesten in Frage käme, findet nächsten Juni in Washington statt. Womit wir bei meinem Dilemma wäre – ich würde die Konferenz gern besuchen, verspüre aber eine tiefsitzende Abneigung gegen Flugreisen.Weiterlesen »

Problematische Begriffe des Naturschutzes, Teil 1: „natürlich“

Viele Diskussionen kranken oft daran, dass die in ihnen prominenten Begriffe ungünstig gewählt sind. Das ist in Naturschutz-Debatten nicht anders. Zwei zentrale Begriffe halte ich für besonders kritisch: das eine ist „natürlich“, und um dieses soll es heute gehen. Anschließend werde ich mir einen anderen Begriff vorknüpfen, der mit „natürlich“ in vielerlei Hinsicht eng verwandt ist, aber sogar noch problematischer: „(ein)heimisch“.Weiterlesen »

Mehr Technologie, weniger Ideologie

Wenn man sich die Welt um uns herum ansieht, kann man schon verzweifeln. Wir wissen seit Jahrzehnten, dass wir gravierende ökologische und soziale Probleme haben, global wie lokal. Und trotz der jahrelangen Versuche von degrowth und ähnlichen Bewegungen, den reicheren Teil der Menschheit zum Umdenken, zu weniger Konsum, mehr Subsistenz und Suffizienz zu bewegen, sieht man keine großen Fortschritte. Rhetorisch sind alle dafür, umweltverträglicher zu leben, angefangen mit der „Klimakanzlerin“ Angela M. Aber sobald es um die Praxis geht, sieht es dünn aus, und alsbald irgendjemand in Griechenland oder sonst wo Mist baut, vergessen alle sofort das Klima, die Biodiversität, das Trinkwasser und die Wale. Es ist schwierig, vor diesem Hintergrund nicht desillusioniert zu sein und nicht an der Möglichkeit einer kulturellen Nachhaltigkeitstransformation zu zweifeln. Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg? Einen schmerzloseren? Wie wär’s mit technologischen Lösungsansätzen?Weiterlesen »