Carsharing und die Grenzen der Effizienz-Orientierung

Als umweltbewusster Mensch ohne antimodernistische Tendenzen finde ich die Idee des Carsharing großartig. Ich wollte nie wirklich ein Auto haben, kann es aber nicht leugnen, dass ich gern Auto fahre und dass es hin und wieder praktisch ist, auf eines zurückgreifen zu können. Innerhalb der Stadt braucht man es kaum und zum Reisen meistens auch nicht – aber es gibt eben Ausnahmefälle, sei es ein Urlaub in einer schwer zugänglichen Almhütte oder ein Baumarkt-Einkauf. Aus Sicht der Nachhaltigkeit scheint es also eine tolle Lösung, dass man bei Bedarf ein Auto mieten kann, ohne es besitzen zu müssen. Doch was in Theorie so rosig wirkt, ist in der Praxis leider nur ein Teil der Lösung – und zwar nicht unbedingt der einfachste.Weiterlesen »

Deontologie, Konsequentialismus und der Rassismus der AfD (& Co.)

Einmal wieder gab es einen terroristischen Anschlag in einer europäischen Stadt. Einmal wieder zeigten sich große Teile der Bevölkerung erstaunlich vernünftig. Einmal wieder wurde dennoch darüber hinweg gesehen, dass anderswo terroristische Anschläge viel häufiger stattfinden, dass nicht nur hierzulande Menschen von Fanatikern getötet werden. Und einmal wieder erdreisten sich die AfD, die CSU und ihresgleichen, einen Anschlag dazu zu nutzen, eine Schließung der Grenzen zu fordern. Begründet wird das wie üblich – „wir Europäer“ seien in Gefahr, diese Gefahr sei abzuwenden, und das sei am besten zu erreichen, indem man die Grenzen schließt oder zumindest den Zufluss von Flüchtlingen sehr stark reguliert… Doch eigentlich geht es um blanken Rassismus. Nicht mehr und nicht weniger.Weiterlesen »

Exploring Economics

Eine kurze Meldung nur (ich hoffe, im Februar, vielleicht schon im Januar wieder Zeit zu haben, etwas Längeres zu schreiben): das Netzwerk Plurale Ökonomik hat eine sehr nette Seite geschaffen (Exploring Economics), auf der die vielen heterodoxen Denkschulen der Ökonomik beschrieben werden, einschließlich Materialien, Links, Leseempfehlungen etc. Sehr empfehlenswert! P.S. Für den Eintrag über Ökologische Ökonomik zeichnet meine Wenigkeit verantwortlich.exploring-economics

Bio-Landwirtschaft ist schlecht?

Ich bin heute aufmerksam gemacht worden auf ein Video des New Scientist (das man sich hier ansehen können müsste; der dazugehörige Artikel ist leider hinter einer Paywall), das eine einfache und vermeintlich klare Botschaft vermittelt: wenn man den Planeten retten möchte, sollte man aufhören, den gemeinhin als Bio-Lebensmittel bekannten „Unsinn“ (mumbo jumbo) zu kaufen. Die Argumente sind knapp und bestechend: Bio-Landwirtschaft verbrauche mehr Fläche als konventionelle Landwirtschaft, u. a. führe es zu Regenwald-Rodungen, und überhaupt sei Gentechnik die bessere Lösung, weil man mit ihrer Hilfe bspw. die Stickstoffaufnahme-Effizienz von Anbaupflanzen erhöhen könne. Ich habe schon lange nicht mehr eine so einseitige Argumentation gesehen.Weiterlesen »

Nachhaltigkeit bedeutet Verpflichtungen – aber gegenüber wem?

Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Dies ist die wohl berühmteste und einflussreichste Definition von Nachhaltigkeit. Sie stammt aus dem sog. Brundtland-Bericht Our Common Future. Sie wurde aus vielen Gründen kritisiert, vor allem, weil sie sehr unspezifisch ist. Doch ein weiteres gravierendes Problem ist: wer sind diese „künftigen Generationen“, denen gegenüber wir vermeintlich Verpflichtungen haben? Wer sind sozusagen die Adressaten der Nachhaltigkeit?Weiterlesen »

Bin ich schuld am polnischen Rechtsruck?

Das könnte man offensichtlich meinen. So scheint es jedenfalls eine Person zu sehen, die ich schätze (darum der Beitrag). Warum sollte ich an der polnischen politischen Misere (mit) schuld sein? Weil ich aus meinem Wahlrecht in Polen bewusst keinen Gebrauch mache. Die Frage, ob ich mir damit etwas zuschulden kommen lasse, ist allerdings komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

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BIOECON 2016: Naturschutz für wen?

Die zweite Keynote Speech der BIOECON-Konferenz wurde von Amy Ando von der University of Illinois gehalten. Ich muss gestehen, dass mir der Name vorher völlig unbekannt gewesen war – ihr Vortrag war aber vermutlich der interessantere der beiden Keynotes. Es ging in ihm um eine Reihe von lose miteinander zusammenhängenden Fragestellungen, die sich aber um die Frage drehten: welche Rolle kann und sollte Ökonomik im Kontext des Naturschutzes spielen?

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BIOECON 2016: Bevölkerungswachstum und natürliche Ressourcen

Eine der schönen Sachen am Wissenschaftler-Dasein sind die Konferenzen (obgleich sie natürlich eine gerade für Umweltforscher unangenehme Kehrseite haben – man muss zu ihnen allzu oft fliegen). Einer der Gründe dafür ist, dass man sich Vorträge von klugen Menschen anhören kann – und nebenbei erstaunt erfahren, dass auch die besonders angesehenen unter ihnen in aller Regel normale Menschen sind. Gerade war ich auf einer solchen Konferenz, der BIOECON 2016 in Cambridge. Es gab dort zwei Keynote Speeches, die beide eine Zusammenfassung verdienen. Zunächst: Partha Dasgupta und „reproduktive Externalitäten“.

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