Warum Entfristung und Finanzierung aus Drittmitteln in der Wissenschaft kein grundsätzlicher Widerspruch sein müssen

Gastbeitrag von Jens Rommel (Schwedische Landwirtschaftliche Universität Uppsala)

Unter dem Twitter-Hashtag #IchBinHanna und im gleichnamigen Buch findet die Debatte um prekäre Arbeitsbedingungen in der deutschen Wissenschaftscommunity ihren jüngsten Höhepunkt. In der Diskussion äußern Wissenschaftler:innen ihren Frust über Kettenverträge, Befristungen und die daraus entstehenden Abhängigkeiten und Ineffizienzen im deutschen Wissenschaftsbetrieb. Aus der Ferne verfolge ich diese und andere Debatten mit großem Interesse, weil ich überzeugt bin, dass Wissenschaft eine hohe gesellschaftliche Bedeutung hat und dass gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft eine wichtige Voraussetzung für exzellente Forschung und Lehre sind. Mir fällt immer wieder auf, dass der Aspekt des Drittmittelpoolings in der deutschen Debatte um bessere Arbeitsbedingungen und planbare Karrierewege in der Wissenschaft nur am Rande vorkommt, wohingegen er aus meinem schwedischen Arbeitsalltag nicht wegzudenken ist.

In diesem Gastbeitrag beschreibe ich was Drittmittelpooling ist, welche Rolle es in meinem schwedischen Arbeitsalltag spielt und welche Rahmenbedingungen für erfolgreiches Drittmittelpooling vorliegen müssen. Meine Betrachtungen sind subjektiv und spekulativ. Sie regen aber hoffentlich zum Nachdenken an und bieten eine neue Perspektive auf Arbeitsbedingungen von Wissenschaftler:innen in Deutschland und tragen im Idealfall zur Verbesserung der Situation bei.

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Das WissZeitVG muss weg

Kürzlich „verlor“ ich eine geschätzte Kollegin und Mentorin, die das UFZ gen Ruhrpott verlassen musste. Sie hatte dort eine Professur bekommen, was ja eigentlich gut ist – „freiwillig“ war der Weggang allerdings ursprüglich nicht. Ähnlich erging es vor zwei Jahren einem anderen Kollegen, dessen akademische Karriere gar zu Ende kam – er wechselte zu einem Verlag. Ebenfalls nicht wirklich „freiwillig“. Beide waren seit vielen Jahren engagierte, beliebte und erfolgreiche Wissenschaftler/innen am UFZ. An beider Weggang war das Wissenschaftszeitvertragsgesetz schuld.1Weiterlesen »