Bin ich schuld am polnischen Rechtsruck?

Das könnte man offensichtlich meinen. So scheint es jedenfalls eine Person zu sehen, die ich schätze (darum der Beitrag). Warum sollte ich an der polnischen politischen Misere (mit) schuld sein? Weil ich aus meinem Wahlrecht in Polen bewusst keinen Gebrauch mache. Die Frage, ob ich mir damit etwas zuschulden kommen lasse, ist allerdings komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

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Ein paar Gedanken zum Aufstieg von AfD & Co.

Die US-Amerikaner haben Donald Trump, Frankreich die Front National, die Niederlande Geert Wilders, die Briten UKIP und Deutschland hat die AfD. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Letztere wurde gerade in Mecklenburg-Vorpommern bereits zum zweiten Mal dieses Jahr zweitstärkste Kraft in einem Landtag. Nun macht man sich ans Interpretieren – was hat der Aufstieg rechter Parteien/Bewegungen im Allgemeinen und der AfD im Besonderen zu bedeuten? Welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? Ich habe keine umfassende eigene Interpretation zu bieten, allerdings finde ich einige auf der linken Seite des politischen Spektrums aufkommende Stimmen mindestens befremdlich.

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Wozu Schulen eigentlich da sein sollten

Ich habe oft das Gefühl, dass die Rolle der Schulbildung in unserer Gesellschaft völlig missverstanden wird. Zumindest scheine ich darüber eine völlig andere Meinung zu haben, als die meisten Menschen, die auf die Gestalt der schulischen Bildung Einfluss haben. Wie dem auch sei, habe ich heute das Bedürfnis, ein paar random thoughts zu diesem Thema loszuwerden. So kann ich vielleicht das Chaos in meinem Kopf etwas strukturieren und irgendjemand findet vielleicht irgendwas zum Nachdenken anregendes in meinem Beitrag.Weiterlesen »

Links reden, rechts handeln und soziale Dilemmata

Ich war kürzlich recht überrascht, als ich einen kurzen Text des Ökonomen Robert Shiller zur Flüchtlingskrise las, ohne mich aufregen zu müssen. Nun habe ich bei den Krautreportern einen epistolären Austausch zwischen dem Soziologen Armin Nassehi und dem Vertreter der Neuen Rechten Götz Kubitschek gelesen. Eine interessante Lektüre, obgleich ich wohl nie werde verstehen können, wie man darauf kommen kann, dass „Die Gruppenexistenz des „Wir“ im nationalen und damit auch ethnisch gebundenen Sinn […] unhintergehbar“ sei (Kubitschek). Aber dazu vielleicht ein andermal (bis dahin verweise ich auf das Buch Identity and Violence von Amartya Sen). Etwas Anderes fiel mir auf, es war ein Punkt, bei dem sich die Herren ausnahmsweise einig waren. Und der mich an ein altes ökonomisches Konzept erinnerte, das eine andere Interpretation des betreffenden Problems erlaubt.Weiterlesen »

Ungarn 2.0?

Vor ein paar Wochen fand in Polen die Parlamentswahl statt, über die ich bereits ein paar Worte verloren habe. Doch trotz meines nicht im geringsten patriotischen Pessimismus bezüglich meiner sogenannten „Heimat“ muss ich gestehen, dass mich überrascht, wie schnell sich Polen in Richtung des Orban’schen Ungarn entwickelt. Dazu ein treffender wie erschreckender Kommentar in der Süddeutschen:

Schon tritt die PiS demokratische Standards und das Recht mit Füßen – etwa durch Angriffe auf kritische Journalisten, die Ausschaltung der Opposition von der Kontrolle der Geheimdienste; vor allem aber durch den Versuch, das Verfassungsgericht zu entmachten – diejenige Instanz also, die der absoluten Macht der PiS noch im Wege steht. [mehr]

Kühe und Atomkraft

Im Polnischen gibt es eine Redewendung, die ich von meinen Eltern immer wieder gehört habe: „Tylko krowa nie zmienia poglądów“. Das bedeutet so viel wie „Nur eine Kuh ändert ihre Ansichten nicht.“ Ich nahm mir diesen Ausspruch sehr zu Herzen, was u. a. darin resultierte, dass ich inzwischen schon zweimal meine Meinung zu Atomkraft geändert habe. Und das innerhalb der lediglich fünf Jahre meiner Blog-Schreiberei. Vom erbitterten Atomkraft-Gegner zum verhaltenen Atomkraft-Befürworter zum verhaltenen Gegner. Eine Bestandsaufnahme.Weiterlesen »

Die Illusion der Befreiung von der Natur

Mein Arbeitgeber organisiert hin und wieder medienwirksame öffentliche Vorlesungen, genannt Helmholtz Environmental Lecture (HEL), zu denen bevorzugt prominente Redner aus dem Bereich Forschung und „Drumherum“ eingeladen werden. Kürzlich hatten wir das Vergnügen, uns einen Vortrag aus dem Bereich „Drumherum“ anzuhören – Matthias Horx war zu Gast, ein Publizist und Zukunftsforscher. Der Vortrag war eher mäßig und von ungesundem Technologie-Optimismus geprägt (relativ früh kam bei mir die Frage auf, wie lange es wohl dauern würde, bis das Ecomodernist Manifesto erwähnt wird – es hat eine Weile gedauert, aber meine Erwartung wurde nicht enttäuscht). Über diesen Technologie-Optimismus möchte ich heute schreiben – um genauer zu sein, möchte ich die implizite Hypothese anzweifeln, dass die Befreiung von den Zwängen der Natur durch Technologie eine tatsächliche Befreiung ist.Weiterlesen »

Das Paradoxon des misstrauischen Patrioten

Kürzlich fand in meiner sogenannten „Heimat“ die Parlamentswahl statt. Die Ergebnisse sind zwar nicht wirklich überraschend, aber dennoch ernüchternd. Ein unübersehbarer Rechtsruck fand statt – es gibt nun keine einzige linke Partei im polnischen Oberhaus (Sejm), die rechtskonservative PiS errang die absolute Mehrheit. Beides hatte es in dem schon vorher überkonservativen Polen seit ’89 nicht gegeben. Doch nicht über die Wahl wollte ich schreiben – dazu gab es auch in deutschen Medien genug. Was mir in ihrem Kontext auffiel, ist ein (scheinbares?) Paradoxon: der durchschnittliche Pole ist zugleich seinen Mitmenschen gegenüber extrem misstrauisch und ein Patriot bis Nationalist.Weiterlesen »

Schaffen wir das? von Thomas Fischer

Flüchtlinge, Migration etc. sind generell nicht wirklich das Thema dieses Blogs, auch wenn ich sie schon das eine oder andere Mal angeschnitten habe. Doch bin ich heute über einen Text gestolpert, der meine Gedanken zu der sog. „Flüchtlingskrise“ so gut widerspiegelt, dass ich es nur schade finde, ihn nicht selbst geschrieben zu haben. Die vom Autor verwendeten Argumente sind so treffend, wie Argumente nur sein können. Kurzum: Absolut lesenswert! Schaffen wir das? von Thomas Fischer.

P.S. Eine interessante Ergänzung zu Fischers Text bietet ein Interview mit Slavoj Žižek in der Süddeutschen.