Wohin mit der Agrarwende?

Ich habe meine Skepsis gegenüber Utopien schon mal hier diskutiert. Nun bewege ich mich in einem Feld – der Nachhaltigkeitsforschung –, in dem Utopien eine größere Rolle spielen, als mir manchmal lieb wäre. Das betrifft auch mein eigenes Forschungsobjekt, die (nachhaltige) Landwirtschaft, in deren Kontext „Agrarwende“ ein häufig verwendeter Begriff ist – die einen finden sie notwendig, die anderen halten sie für einen gefährlichen Kampfbegriff. Ohne mich auf eine der beiden Seiten zu schlagen, möchte ich hier fünf Probleme skizzieren, die ich in den Debatten über die Agrarwende sehe. Dabei werde ich mich auf die Debattenseite fokussieren, die den Begriff nicht grundsätzlich ablehnt – insbesondere die häufigen Versuche, Zukunftsvisionen für eine nachhaltige Landwirtschaft zu skizzieren.

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Das Greenpeace-Dilemma

Nein, dies ist kein Beitrag speziell über Greenpeace. Die Organisation ist ein besonders prominentes Beispiel für das Phänomen, dem ich mich widmen möchte, und wir haben eine Geschichte miteinander – doch ist Greenpeace mitnichten das einzige Beispiel für das besagte Phänomen. Ganz im Gegenteil, das Phänomen ist in der Umweltbewegung recht verbreitet. Es ist die Tendenz, Umweltprobleme unzulässig zu vereinfachen, damit die eigene Botschaft eine Chance hat, in der breiten Öffentlichkeit anzukommen.

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Die Illusion der Befreiung von der Natur

Mein Arbeitgeber organisiert hin und wieder medienwirksame öffentliche Vorlesungen, genannt Helmholtz Environmental Lecture (HEL), zu denen bevorzugt prominente Redner aus dem Bereich Forschung und „Drumherum“ eingeladen werden. Kürzlich hatten wir das Vergnügen, uns einen Vortrag aus dem Bereich „Drumherum“ anzuhören – Matthias Horx war zu Gast, ein Publizist und Zukunftsforscher. Der Vortrag war eher mäßig und von ungesundem Technologie-Optimismus geprägt (relativ früh kam bei mir die Frage auf, wie lange es wohl dauern würde, bis das Ecomodernist Manifesto erwähnt wird – es hat eine Weile gedauert, aber meine Erwartung wurde nicht enttäuscht). Über diesen Technologie-Optimismus möchte ich heute schreiben – um genauer zu sein, möchte ich die implizite Hypothese anzweifeln, dass die Befreiung von den Zwängen der Natur durch Technologie eine tatsächliche Befreiung ist.Weiterlesen »

„Das kommt drauf an…“ oder Der Ökonomie Drang zur mathematischen Exaktheit

In einer Vorlesung irgendwann im Bachelor-Studium verkündete einer meiner Professoren uns Studenten (es ging um die ungedeckte und die gedeckte Zinsparität), dass wir gerade eine seltene Begegnung mit einem ökonomischen Modell hätten, das die Realität korrekt widerspiegele. Es war einer der wenigen Momente in meinem VWL-Studium, in dem ein Professor grundsätzliche Zweifel an der ökonomischen Theorie aufkommen ließ. Insbesondere an ihrer mathematisch feinen, doch oft realitätsfernen Seite.Weiterlesen »