Spätestens seit ich vor ca. 4 Jahren Twitter beigetreten bin, bekomme ich mehr fundamentale, oft erbitterte Debatten, als mir eigentlich lieb ist. Sei es über den Umgang mit der Pandemie, die Notwendigkeit einer Transformation zur Nachhaltigkeit, die Potenziale und Gefahren von Gentechnik oder Atomkraft, die Migrationspolitik… Und immer wieder habe ich den Eindruck, dass die Beteiligten letztlich unvermeidlich aneinander vorbei reden. Denn die eigentlichen Differenzen liegen nicht dort, wo diskutiert wird – an der Oberfläche konkreter politischer und gesellschaftlicher Probleme –, sondern viel tiefer, bei den Grundprämissen, die unseren jeweiligen Weltbildern zugrunde liegen. Das Problem dabei: Während die konkreten Probleme argumentativ „diskutierbar“ scheinen (also: den Eindruck vermitteln, jemand könne „objektiv“ „recht haben“), entziehen sich besagte Grundprämissen einer argumentativen Begründung. Sie sind und bleiben inhärent und unaufhebbar subjektiv, und damit nicht „diskutierbar“.
Weiterlesen »Woher weiß ich, was ich zu wissen glaube?
Was ich hier auf dem Blog schreibe, überschreitet oft die Grenzen meiner wissenschaftlichen Expertise im engeren Sinne. Das habe ich bereits vor einer Weile im Kontext meines Hauptthemas, der Landwirtschaft, thematisiert (Was weiß ich schon über Landwirtschaft?). Und auch in meiner Forschung habe ich direkt oder indirekt mit Fragen zu tun, für deren eigenständige Beantwortung ich nicht über das notwendig methodische und theoretische Wissen verfüge. Die Frage stellt sich also: Woher weiß ich, was ich zu wissen glaube? Allgemeiner ausgedrückt: Woher wissen Wissenschaftler:innen in interdisziplinären Forschungskontexten, was sie zu wissen glauben, was aber jenseits ihrer eigentlichen Expertise liegt?
Weiterlesen »Jahresrückblick 2021
Wie erging es Skeptische Ökonomie im zweiten Pandemie-Jahr?
Weiterlesen »Was ist Peer-Review und wie funktioniert er?
Arbeitet man in der Wissenschaft, findet man recht schnell (und oft auf schmerzhafte Art und Weise), was Peer-Review ist und wie er funktioniert. Und auch in den Medien ist zumindest der Begriff spätestens im Zuge der Pandemie immer präsenter geworden, zum Beispiel wenn davor gewarnt wird, Forschungsergebnisse aus sogenannten Preprints für bare Münze zu nehmen. Inzwischen gibt es daher auch einige Erklärungen, was der Peer-Review genau ist, welche Rolle er spielt, wie er funktioniert und welche Tücken mit ihm einhergehen. Trotzdem ist mein Gefühl, dass ein bisschen mehr Aufklärungsarbeit nicht schaden würde.
Weiterlesen »Das Greenpeace-Dilemma
Nein, dies ist kein Beitrag speziell über Greenpeace. Die Organisation ist ein besonders prominentes Beispiel für das Phänomen, dem ich mich widmen möchte, und wir haben eine Geschichte miteinander – doch ist Greenpeace mitnichten das einzige Beispiel für das besagte Phänomen. Ganz im Gegenteil, das Phänomen ist in der Umweltbewegung recht verbreitet. Es ist die Tendenz, Umweltprobleme unzulässig zu vereinfachen, damit die eigene Botschaft eine Chance hat, in der breiten Öffentlichkeit anzukommen.
Weiterlesen »Auch in der Landwirtschaft setzt Sollen Können voraus
Klima- und Naturschutz, Tierwohl, bessere Arbeitsbedingungen für saisonale Kräfte… Die Liste der Forderungen aus Politik und Zivilgesellschaft an die Landwirtschaft ist lang. Die meisten von ihnen sind wohl berechtigt. Nichtsdestotrotz ist es eine offene Frage, wie viel man von landwirtschaftlichen Betrieben verlangen kann, angesichts der ökonomischen, rechtlichen, technologischen oder natürlichen Restriktionen, die ihren Handlungsspielraum beschränken. Mit anderen Worten: machen es sich politische und zivilgesellschaftliche Akteure nicht etwas zu einfach, wenn sie erwarten, „die Landwirtschaft“ solle bestimmten Forderungen einfach folgen, ungeachtet dessen, ob sie es auch kann? Tragen Landwirt:innen für all die negativen Konsequenzen landwirtschaftlicher Produktion Verantwortung?
Weiterlesen Ȇber den Rand des eigenen Teiches blicken
Ich lese gerade mal wieder, nach einer längeren, belletristikgeprägten Pause, ein sozialwissenschaftliches Buch in meiner Freizeit: Michele Alacevichs Albert O. Hirschman: An Intellectual Biography. Dass Hirschman ein wahnsinnig interessanter Denker war, wusste ich schon vorher. Aber die Lektüre hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist, hin und wieder den eigenen „intellektuellen Teich“ zu verlassen und einen Ausflug in die Nachbarteiche zu wagen, um zu sehen, was da so Spannendes und (potenziell) Inspirierendes los ist.
Weiterlesen »Einstellungen der deutschen Bevölkerung zu ausgewählten landwirtschaftlichen Debatten
Hier der zweite von erstmal zwei, mittelfristig aber wohl mehreren Beiträgen, in denen ich ausgewählte Ergebnisse aus einer größeren Umfrage präsentiere, die wir kürzlich im Rahmen von BonaRes durchgeführt haben.
Weiterlesen »Wer trägt Verantwortung für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft?
Dies ist der erste von erstmal zwei, mittelfristig aber wohl mehreren Beiträgen, in denen ich ausgewählte Ergebnisse aus einer größeren Umfrage präsentiere, die wir kürzlich im Rahmen von BonaRes durchgeführt haben.
Weiterlesen »Verbote oder Anreize?
In den politischen Debatten um Nachhaltigkeit (Klimaschutz, Artenschutz…) in Deutschland wird der Partei, die seit ihrer Gründung mit diesem Themenkomplex assoziiert wird, den Grünen, öfters vorgeworfen, sie seien eine „Verbotspartei“. Auch wenn dies in Einzelfällen überzogene Rhetorik sein mag, ist es doch augenscheinlich, dass in den besagten Debatten häufig argumentiert wird, als wären Verbote bzw. das Ordnungsrecht das einzige probate Mittel der Umweltpolitik. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, Anreize dem Ordnungsrecht vorzuziehen oder zumindest ergänzend zu nutzen.
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