Was ist an dem Arrow-Paradoxon dran?

Kenneth Arrow ist wahrscheinlich eine der interessantesten Persönlichkeiten der Ökonomik des 20. Jahrhunderts. Er ist bis heute der jüngste Träger des Nobel-Gedenkpreises für Ökonomie, den er 1972 im „zarten“ Alter von 51 Jahren verliehen bekam. Auch im weniger zarten Alter von 94 Jahren publiziert er immer noch. Es gibt wahrscheinlich kaum ein Feld innerhalb der Ökonomik, zu dem er nicht irgendwann gearbeitet hat. Er ist einer der versiertesten Mathematiker unter den Ökonomen – den Nobel-Gedenkpreis bekam er für seine Pionierarbeit zur Allgemeinen Gleichgewichtstheorie, die zu den formalisiertesten, prestigeträchtigsten und laut manchen Kommentatoren nutzlosesten Forschungsgebieten innerhalb der Ökonomik gehört. In den letzten etwa 20 Jahren lieferte er einige sehr interessante Beiträge zur Nachhaltigkeit, Wohlfahrtsmessung und sozialer Diskontierung. Interessanterweise ist jedoch der wohl wichtigste – auf jeden Fall bekannteste – Beitrag von ihm auch einer der ältesten: das in seiner Dissertation (1951) entwickelte Unmöglichkeitstheorem, auch Arrow-Paradoxon (von ihm „schlicht“ General Possibility Theorem genannt), mit dem er die Disziplin der modernen Sozialwahltheorie begründete.Weiterlesen »

Braucht man ökonomische Bewertung?

Zählt man meine Master-Arbeit dazu, beschäftige ich mich seit nunmehr 3 Jahren mit der ökonomischen Bewertung. Seit 2 Jahren besteht mein Ziel (bzw. das meiner Dissertation) darin, sie konzeptionell und teilweise auch methodisch weiterzuentwickeln. Wie ich hier schon des Öfteren kundgetan habe, finde ich, dass ökonomische Bewertung oft zu Unrecht kritisiert wird. Doch das heißt nicht, dass alle Kritik verfehlt ist. Aus meiner Sicht ist die schwierigste Frage, die man mir als „bewertendem Ökonomen“ stellen kann, die nach der Zweckmäßigkeit des Ganzen – wozu braucht man ökonomische Bewertung? Was kann sie tatsächlich leisten?Weiterlesen »

Die Grenzen der Effizienz

Wenn es einen Begriff gibt, der die ökonomische Perspektive (zumindest im Sinne der Mainstream-Ökonomie) besonders gut zusammenfasst, dann ist es wohl „Effizienz“. Und genau dieses Konzept wird der Ökonomie oft zum Verhängnis, wenn ihr vorgeworfen wird, dass sie die Effizienz zum allein relevanten Kriterium privater wie öffentlichter Entscheidungen erhebe. Doch eigentlich beruht dieser Vorwurf auf einem Missverständnis, und zwar sowohl seitens der Kritiker als auch der Ökonomen selbst.Weiterlesen »

Economists vs. Economics by Dani Rodrik – Project Syndicate

Criticism of economics – for hubris, neglect of social goals beyond incomes, excessive attention to formal techniques, or failure to predict major developments such as financial crises – has usually come from outsiders, or from a heterodox fringe. But lately it seems that even the field’s leaders are unhappy.

Quelle: Economists vs. Economics by Dani Rodrik – Project Syndicate

Der… äh… Nobelpreis 2015

Alle Jahre wieder werden in Stockholm und Oslo die Nobelpreise vergeben. Jeder einzelne von ihnen ist umstritten, doch keiner so sehr (OK, außer vielleicht dem Friedensnobelpreis) wie der, der eigentlich keiner ist: der Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne. Der Öffentlichkeit bekannt als der „Wirtschaftsnobelpreis“. Man kann ihn für sinnvoll halten oder nicht, aber es lässt sich nicht leugnen, dass er mit einem riesigen Prestige verbunden ist. Oft lässt es sich zum Beispiel beobachten, dass mit dem Preis ausgezeichnete Ökonomen plötzlich anfangen, sich mehr der Publizistik zu widmen (besonders markante Beispiele der jüngeren Vergangenheit: Joseph Stiglitz und Paul Krugman) – im wissenschaftlichen Bereich haben sie ja nachweislich „ausgesorgt“. Jedes Jahr stellt sich also die Frage: an wen sollte der Preis gehen? Hier meine eher unrealistischen Vorschläge.Weiterlesen »

Problematische Begriffe des Naturschutzes, Teil 2: „(ein)heimisch“

Vor einem knappen Jahr nahm ich an einer BfN-Tagung teil, die auf der wunderschönen Insel Vilm bei Rügen stattfand. In einem der Vorträge ging es um Einflüsse von Stadteffekten auf Kleinsäugergemeinschaften. In diesem ging es unter anderem darum, wie sich Mäuse wohl in der Nähe der „Neophyten“ Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) und Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) fühlen. In der Diskussion, in der ich die dahingehende Interpretation der Ergebnisse anzweifelte, dass die Exoten sich negativ auf Mäuse auswirkten, konnte man den Eindruck gewinnen, dass das Ergebnis bereits vorher feststand und durch die Studie nur noch bestätigt werden sollte – und zwar, dass Neophyten, d. h. „nichtheimische“ Pflanzen, schlecht sind.

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Der Fluch des kleineren Übels oder Alles Leben ist Abwägen

Es gibt da eine Buchreihe, die außerhalb Polens eher wegen des auf ihr basierenden Computerspiels bekannt ist (sie wurde auch verfilmt, aber der Film ist grottenschlecht). Abgesehen davon, dass die Bücher der Reihe zu meinen absoluten Favoriten gehören, hat die Geschichte ein „psychologisches Leitmotiv“, an das ich mich in letzter Zeit immer wieder erinnern muss – das Prinzip des „kleineren Übels“. Die Hauptfigur weigert sich konsequent, in Konflikten, die sie eigentlich nicht betreffen, sich auf eine Seite zu stellen, muss aber immer wieder feststellen, dass dies nicht möglich ist – sie muss sich jeweils für das kleinere der beiden zur Verfügung stehenden Übel entscheiden, so sehr ihr das zuwider ist. Im Grunde ist die Entscheidung zwischen kleineren und größeren Übeln eine pessimistische Version des Grundprinzips der Ökonomik, das man, Karl Popper paraphrasierend, mit „Alles Leben ist Abwägen“ umschreiben könnte.Weiterlesen »

Über böse Flugreisen (nach D.C.), SCC und IAMs

Ich stehe gerade vor einem Dilemma, vor dem ich im Laufe meiner „wissenschaftlichen Karriere“ früher oder später stehen musste. Es wird von mir verlangt, dass ich in den 3 Jahren meiner Dissertation zumindest einmal eine internationale Konferenz besuche. Im jetzigen Stadium der Arbeit wäre das auch eine durchaus gute Idee. Problem? Die Konferenz, die am ehesten in Frage käme, findet nächsten Juni in Washington statt. Womit wir bei meinem Dilemma wäre – ich würde die Konferenz gern besuchen, verspüre aber eine tiefsitzende Abneigung gegen Flugreisen.Weiterlesen »

Problematische Begriffe des Naturschutzes, Teil 1: „natürlich“

Viele Diskussionen kranken oft daran, dass die in ihnen prominenten Begriffe ungünstig gewählt sind. Das ist in Naturschutz-Debatten nicht anders. Zwei zentrale Begriffe halte ich für besonders kritisch: das eine ist „natürlich“, und um dieses soll es heute gehen. Anschließend werde ich mir einen anderen Begriff vorknüpfen, der mit „natürlich“ in vielerlei Hinsicht eng verwandt ist, aber sogar noch problematischer: „(ein)heimisch“.Weiterlesen »